Sonntag, 8. Februar 2009

Das Glueck der Erde...


... liegt auf dem Ruecken der Pferde, das ist doch altbekannt! Dort sitze ich inzwischen desoefteren mal, ich arbeite naemlich seit ein paar Tagen auf einer Farm in der Naehe von Kaikoura an der Ostkueste der Suedinsel. Auf dem Hof wimmelt es von allem moeglichen Getier: Esel, Ziegen, Schafe, ein Lama namens Foxi, Enten, Gaense, Truthaehne, Wachteln, Kaninchen, Meerschweinchen, handzahme Pfauen, und und und... Ein Grossteil befindet sich im Farm Park, eine Art Streichelzoo fuer wartende Reiter oder deren Mitreisende.

Teile des Federviehs, das im Farm Park rumlaeuft 

Reiten kann man hier naemlich auch, auf den unzaehligen Pferden, die alle gleich aussehen: Braun mit schwarzer Maehne und Schweif. Die haben dann so kreative Namen wie "Star", "Prince", "Gypsy" oder auch "Gossip". Es werden Ausritte in allen moeglichen Variationen angeboten und mein Job besteht darin, vorneweg zu reiten und die staunende Meute hinter mir ueber dies und jenes aufzuklaeren. Dass "Dreamer" staendig nur am fressen ist und neulich nachts ausgebuext ist, um sich den Magen vollzuschlagen. Dass man sich beim Bergaufreiten nach vorne und beim bergab reiten nach hinten lehnt. Dass man sich beim Traben bitte festhalten sollte, zumindest wenn man wie die meisten noch nie zuvor auf einem Pferd gesessen hat. Die Strecke, die meistens geritten wird, fuehrt erst durch Wiesen, dann entlang von Schafweiden, anschliessend einen Feldweg entlang und dann durch ein Flussbett, das eher einem Geroellfeld gleicht. 

Die Steinhalde namens Flussbett

Nach einer guten Viertelstunde Kraxelei ueber die Steine biegt man in den Dschungel ab und die meisten Reiter haben einen Heidenspass den ganzen Lianen und Zweigen auszuweichen, die quer ueber den kleinen Trampelpfad reichen. Um einen herum zirpen die Zikaden wie wild und fliegen einem auch oefters mal brummend ins Gesicht - oder Pilgrim, dem Pferd, das ich meistens reite, in die Nase, das liebt er ueberhaupt nicht und moechte am liebsten im flotten Galopp aus diesem Wald heraus. Viel langsamer als ihm lieb ist geht es durch Wiesen und Weiden zurueck zum Hof. Den Rest des Tages gibt es immer genug zu tun, alle Tiere wollen gefuettert und getraenkt werden, der Hof wird gefegt, die Eier eingesammelt, Trensen und Saettel eingefettet, Pferde geputzt, gesattelt und getrenst und nach dem Ritt wieder runter, eine Sitzecke mit dem Hochdruckreiniger gesaeubert, beim Luge helfen - wie, noch nie was von Luge gehoert?! Macht nichts, ich bis dato auch nicht. Luge bezeichnet den Vorgang, mit einem kleinen Kart-artigen Gefaehrt eine enge und kurvige Piste den Berg hinunter zu heizen. Man kann lenken und bremsen und ist ansonsten genug damit beschaeftigt, sich weder um einen Baum zu wickeln, noch hinauszufallen - und hat dabei einen Mordspass! Gegen die noetige Bezahlung werden die Leute also auf einen nahen Berg gekarrt, fahren da ein- oder mehrmals runter und kommen eigentlich immer mit einem breiten Grinsen wieder unten an.
Tja, wie bin ich eigentlich hierher gekommen? Nachdem ich sogar noch laenger als eine Woche in Raglan war, packte mich die spontane Reiselust, bzw. der Unwille noch laenger an einem Fleck herumzusitzen und ich buchte ziemlich spontan eine Faehrueberfahrt auf die Suedinsel fuer Dienstag abend. 10 Minuten spaeter hab ich es schon wieder bereut und waer gern laenger geblieben, aber was solls, es muss ja irgendwann weiter gehen. Also machte ich mich am Montag auf und fuhr 6 Stunden lang gen Sueden, nach Palmerston North. Unterwegs ist mir noch fast das Benzin ausgegangen, da ich natuerlich wieder gerade ebenjene Nebenstrecke erwischt hatte, wo es 150km lang keine Tankstelle gab. In Deutschland unvorstellbar, aber hier gar nicht mal so unwahrscheinlich. Die Nacht habe ich bei Andy und Sam und ihrer Familie verbracht, Vater und Sohn, die zusammen mit mir den Tauchkurs bestritten haben und mich eingeladen hatten, doch mal vorbeizuschauen, falls ich irgendwann in die Naehe kommen wuerde. Nach einem sehr netten Abend, den wir kloenend und meine mitgebrachte Schokolade naschend im Wohnzimmer verbracht haben, und einer Nacht im kuscheligsten Bett Neuseelands fuhr ich am naechsten Morgen weiter nach Wellington, wo ich den Tag in NZ's groesstem Mueseum verbrachte, genannt Te Papa National Museum. Das war von oben bis unten vollgestopft mit informativem und interaktivem Zeug, unter anderem auch einem Erdbeben simulierenden Haus. Irgendwann nach ein paar Stunden rauchte mir dann der Kopf, hier kann man definitiv mehrere Tage verbringen und hat immer nch nicht alles gesehen! Ich war ganz froh, dass ich mich auf die Faehre fluechten konnte und dort den vierten Harry Potter sehen konnte, der im Fernsehen kam und meine grauen Zellen nicht ganz so beanspruchte. Die Nacht verbrachte ich in Picton auf einer Wiese mit Blick auf den Hafen un am naechsten Moregn fuhr ich weiter nach Kaikoura, wo ich herzlich von Linda, meiner Chefin, und zwei anderen WWOOFenden deutschen Maedels, Chrissy und Julia, in Empfang genommen wurde. WWOOF ist der Name fuer "Willing Workers on Organic Farms" und bezeichnet einen Zusammenschluss bio-ausgerichteter Farmen, die arbeitende Freiwillige gegen frei Essen und Unterkunft aufnehmen. Ich werd hier also quasi mitgefuettert und hab mein eigenes kleines Zimmer. Geld verdiene ich nur ueber die Horsetreks, und da auch keine Vermoegen, aber als Taschengeld nebenbei ganz nett. Linda, ihr Ehemann Simon und die Tochter Becky sind sehr nett und hilfsbereit und John, der 70-jaehrige Schaefer erzaehlt oft lustige Geschichten von seinen Reisen um die Welt und erlaeutert, warum Lammfleisch besser schmeckt, wenn man den Laemmern draussen auf Wiese die Kehle durchschneidet (da sind sie nicht gestresst, das Adrenalin verdirbt den Geschmack), aeh ja. Chrissy und Julia sind vor zwei Tagen abgereist, dafuer kam Laura, eine weitere deutsche WWOOFerin. Zusammen macht der Farmalltag viel mehr Spass und die Zeit vergeht wie im Flug. Gestern fuhr Linda mit Laura und mir auf der Ladeflaeche ihres Quads quer durch den Busch und wir stutzten ein paar Baeume, damit sich keiner der Reiter versehentlich aufhaengt. Unglaublich wo ein Quad ueberall lang fahren kann, Achterbahn ist nichts dagegen! Das Wetter ist wechselhaft, mal regnets, mal scheint wie heute die Sonne und es ist bruellend heiss, so dass Simon seine schwitzenden, schuftenden Arbeiterinnen kurzerhand ins Auto verfrachtet hat und uns ein Swimming Hole im Fluss gezeigt hat, in dem wir am liebsten den ganzen Tag verbracht haetten! Nun geht ein weiterer schoener Tag auf der Farm dem Ende entgegen und ich bin gespannt, was der morgige Tag bringen wird!

Paradies auf Erden

Viele liebe Gruesse vom anderen Ende der Welt, an dem sich die kleine Jana wie zurueck in Kindertagen auf dem Reiterhof fuehlt - das Leben ist doch ein Ponyhof! :-)

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Egal welchen Beruf du spaeter mal ausueben wirst, er sollte definitiv etwas mit Schreiben zu tun haben. Great! :-)

Biene hat gesagt…

Hi Jana!Unsere Tiere und Pferde grüßen Dich vom anderen Ende der Welt, aus dem verschneiten Schnathorst. Der Winter nimmt kein Ende! Ganz liebe Grüße von Biene und der ganzen Sippe