Dienstag, 3. März 2009

Zwischen Middle of Nowhere und Zentrum des Geschehens

Die Voegel zwitschern, die Grillen zirpen und die Sonne wirft ein rotgoldenes Licht auf die Baeume und die Berge am Horizont. Spaetsommer zieht ins Land und es wird zunehmend herbstlich, die Sonne hat zunehmend Schwierigkeiten, die Regenwolken zu verdraengen. Morgens ist es schon recht Frisch, noch reicht aber der Pullover, wenn Jen und ich hinunter gehen und die Tiere fuettern. Jen ist die neue Freiwillige auf der Farm, sie kommt aus Michigan/USA. Mit Futtereimern und einem Arm voll Heu bepackt geht es in den Farm Park, wo wir lauthals begruesst werden: Drei Haehne schreien um die Wette, und als waere es nicht genug, fangen auch noch die Esel an. Das Lama quietscht ganz aufgeregt und das neue Alpaka gibt Laute von sich, wie ich sie noch nie gehoert habe. Das Schaf und die Ziegen maehen und wollen endlich ihr Brot – ja, man kann zurecht behaupten, dass wir in diesem Moment die beliebtesten Menschen auf der ganzen Farm sind.

Laura und die Wild-, aeh, Hausgaense

Erschreckt stelle ich fest, dass die beiden chinesischen Wachteln verschwunden sind und wir suchen den ganzen Park ab, haben bei diesen winzigen, ungefaehr faustgrossen Voegeln jedoch keine Chance – futsch sind sie. Eine halbe Stunde spaeter findet Linda sie dann doc him Kaefig wieder, sie hatten sich unter dem Wagenrad versteckt, das als Deko den Kaefig verschoenert. Die drei Rehkitze stehen mit grossen Augen am Zaun und warten auf ihr Flaeschchen, gierig schlabbern sie um die Wette und schlecken sich hinterher gegenseitig das Maul ab. Im Hintergrund kraeht Joey, der neue Kakadu “Hello, Joey!” und imitiert einen Hahnenschrei, be idem einem fast die Ohren abfallen. Nachdem er schon drei Leuten fast einen Finger ebgehackt hat, versuchen wir ihm nun beizubringen zu sagen “Hi, I’m Joey and I bite!” und immerhin den letzten und wichtigeren Teil des Satzes kann er schon nachplappern: “I bite, I bite, I bite – hello, Joey, hello Joey, goodbye!”

Joey, der freche Kakadu

Ja, ich stecke immernoch auf der Farm und waehne mich im Paradies. Regentage, gelegentliche Langeweile, die “city”, die aus exakt einer Strasse mite in paar Laeden und zwei Pubs oder Klaus, die riesengrosse Spinne im Waschbecken – noch hat mich nichts hier wegbewegen koennen. Oder zumindest nicht fuer lang. An meinen zwei freien Tagen bin ich mit Laura nach Christchurch gefahren, das eine positive Ueberraschung war: Woah, so viele Menschen, so viele Geschaefte, so viel los! Im Hostel traf ich Liz, die Niederlaenderin, mit der ich zusammen in Mount Maunganui in einer Wohnung gewohnt habe und die jetzt bad nach Hause faehrt. Ein komisches Gefuehl so viele Leute, mit denen ich hier zusammen gereist bin, nach Hause fahren zu sehen! Zusammen mit weiteren Ex-Mount Leuten erkundeten wir Christchurchs Nachtleben, was fuer Laura und mich fast in einem Kulturschock endete – holy shit, ein Donnerstag abend und es ist soviel los?

Laura, Liz, Jorn und Steve im Keller des Mickey Finn's, einem Irish Pub in Christchurch

Christchurchs Cathedral - da fuehlt man sich doch fast daheim in Europa

Laura als Teil der Wanderausstellung "Backpacker and Caravans"

Am naechsten Tag fuehrten wir die ERkundungstour weiter, besuchten erst die Kathedrale am Cathedral Square und liefen dann durch die botanischen Gaerten, fuer die die Gartencity Christchurch so bekannt ist. Am Nachmittag fasten wir uns dann ein Herz und fuhren zum Willowbank Park, eine Art Tierpark mit angeschlossenem Kiwihaus. 7 Monate Neuseeland und noch immer keinen waschechten Kiwi zu Gesicht gekriegt?! Das muss geaendert werden! In den Kiwihaeusern ist Tag und Nacht vertauscht, so dass man im stockdunklen Gebaeude eine passable Chance hat, die nachtaktiven scheuen Tierchen bei der Suche nach Insekten beobachten zu koennen. Ich war ziemlich erstaunt festzustellen, dass sie ziemlich gross sind! Fast bis zum Knie reichen sie! Dazu haben sie einen gewaltig langen Schnabel, keine oder nur ansatzweise vorhandenen Fluegel und ein Federkleid, das eher an ein braunes Fell erinnert.

Wenn man genau hinguckt, kann man das Hinterteil eines Kiwis erkennen...

Neben dem Effekt, eine weitere Bildungsluecke geschlossen zu haben, verstehe ich nun auch besser, was Linda mit dem Farm Park vorhat, fuer den hat naemlich der Willowbank Park mehr oder weniger Modell gestanden. Stege und Sandwege fuehren den Besucher direct von einem Gehege zum naechsten und man begegnet allerlei Getier: Von Miniponys bis zu einem Clydesdale mit tellergrossen Hufen, Rehe, Gefluegel in allen Variationen, Wallabies, Ziegen, Schafe, Affen, Schweine, Emus und und und. Sogar Keas, lustige Papageien, die ziemlich frech und ziemlich intelligent sind, auf jeden Fall wird ihnen nachgesagt, dass sie es sogar schaffen, die Fensterverkleidungen von Autos auseinander zunehmen, um dann fein saeuberlich die Scheibe zu entfernen und alles essbare aus dem Auto zu klauen.

Ein waschechter Kea

Den Abend verbrachten wir bei einem gemuetlichen Sit-in in unserem Hostelzimmer und am naechsten Morgen stellte ich fast dankebar fest, dass e simmer noch aus Eimern schuettete, so dass ich einen weiteren freien Nachmittag bekam und laenger als geplant in Christchurch bleiben konnte. So erkundeten wir erst einen Markt auf dem Cathedral Square, wo ich eine wundervolle gruene flauschige Wollmuetze erstand, und dann einen Arts&Crafts Market, auf dem sich auch mehrere Strassenkuenstler tummelten.

Der "Wizard", ein skurriler Mensch, der jeden Tag zur Mittagszeit auf dem Cathedral Square interessierte Menschen ueber seine Lebensphilosophie aufklaert

Von dort aus ging es direct zum Centre of Contemporary Art – meine Guete, wann war ich das letzte Mal in einer Gallerie? Ja, ich befinde mich wahrhaftig zurueck in der Zivilisation. Nicht fuer lange jedoch, am Nachmittag fuhr ich zurueck nach Kaikoura. Der Farmalltag hat mich wieder, und die Routine geht ihren gewohnten Gang, unterbrochen dann und wann von ein paar Highlights wie besonders schoene Sunsetrides hoch auf die Huegel, von wo aus man einen sagenhaften Blick auf die Stadt und das Meer hat, waehrend ueber der Huegelkuppe die Sonne untergeht und der Himmel in allen Farben schimmert, oder eine besonders nette oder fortgeschrittenere Gruppe, mit der man dann auch mal den einen oder anderen Galopp wagen kann. Hach, was geht es uns gut!

Mit Jen auf dem Sunsetride mit Blick ueber die Kaikoura Region

Laura vorm Sonnenuntergang - himmlisch


1 Kommentar:

Svenja hat gesagt…

hey Jule, wollte mich auch mal melden...die geschichte von Joey find ich ja klasse :-D wann gehst denn bei Dir nach hause? Miri und ich werden wohl Anfang Juli wieder in Dtld eintrudeln.
gaaaanz liebe Gruesse aus Indien
deine elli