Freitag, 27. März 2009

Indeed pretty steep

Ja, das ist Dunedin. Eine kleine, quirlige Studentenstadt, die sich an die umliegenden Huegel schmiegt, bzw. sie einfach ignoriert. Wieso Strassen in Serpentinen bauen, wenn sie doch auch gerade sein koennen? Das spart die Fitnessstudios und Fahrradwege braucht auch keiner, weil man eh nicht die steilen Berge hochkommen wuerde. In der Mitte der Stadt befindet sich ein achteckiger Kreisverkehr, der damit rein offiziell kein Kreisverkehr mehr ist - er sieht auf der Karte riesig aus und laut Reisefuehrer tobt dort der Baer, aber in Wirklichkeit ist das "Octagon" doch uebersichtlich. Junge Leute ueberall, nicht weit vom Stadtzentrum befindet sich schliesslich die University of Otago, die aelteste Uni des Landes. Drumherum reihen sich Studentenbuden, meistens ziemlich abgewrackt und der neueste Trend ist ein Sofa im Vorgarten und Skulpturen aus Bierflaschen. Jup, hier wird intensivst gelebt!

Dunedin gefaellt, definitiv. Wie in Christchurch gibt es viele aeltere viktorianische Gebaeude, was ein wenig englischen Flair vermittelt - oh, Fettnaepfchen, schottischen natuerlich, Dunedin ist naemlich der schottische Name von Edinburgh und somit der Versuch der ersten schottischen Siedler ein bisschen Heimat in die neue Welt mitzunehmen. Seit Dienstag bin ich hier, in einem suessen Hostel namens Hogwartz, passend, da auf den ersten Blick bezaubernd. Gegenueber der Cathedral schmiegt sich das alte Haus an den Berg und eine versteckte Wendeltruppe fuehrt zum Eingang, wo man das fantasielose Passwort C1205 im Tuerschloss eingeben muss. Eine Lichterkette im Aufenthaltsraum symbolisiert wohl den Sternenhimmel der grossen Halle und die Abstellkammer heisst Gringotts - leider kochen keine Hauselfen das Abendessen und die Nachfrage nach fliegenden Besen in die Stadt war auch noch erfolglos...

Hogwartz ist das Haus links im Bild, daneben die Cathedral

So bin ich gleich am ersten Tag eben zu Fuss mit ein paar anderen Hostelbewohnern zur Baldwyn Street gestapft, der steilsten Strasse der Welt. Schon die Strassen auf dem Weg dorthin haetten gute Chancen auf diesen Titel gehabt, daher waren wir schon voellig aus der Puste, als wir am unteren Ende ankamen (wenn irgendwer von euch jemals nach Dunedin kommt, nehmt nicht die "Abkuerzung" durch die botanischen Gaerten!) Doch was hartgesottene Traveller sind, haben wir uns natuerlich nicht entmutigen lassen und sind tatsaechlich auch noch dieses Monstrum von Strasse hochgelaufen. Die armen Anwohner! Wer hier wohnt ist entweder superfit oder bewegt sich nur per Auto durch die Gegend, das jedoch auch nur, wenn es mit guten Bremsen ausgestattet ist! Als Fussgaenger sollte man darauf vorbereitet sein, rechtzeitig aus dem Weg zu springen, wenn ein Auto kommt, bremsen ist naemlich nicht angesagt, will man mit dem Auto nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Mit roten Koepfen kamen Alex, Romain, die zwei schwedischen Emmas und ich schliesslich oben an und sanken auf die bereit stehende Bank, nur um festzustellen - hilfe - dass wir ja nun wieder hinunterwandern mussten. Emma eins probierte daraufhin, ob es vielleicht mit der Baumstammrolle leichter und bequemer ist, Antwort: Schneller allemal, man kann naemlich nicht mehr anhalten. Gerade im letzten Augenblick konnten wir sie davor bewahren, die ganze Strasse herunterzupurzeln, woraufhin wir uns auf die gute alte Schritt-fuer-Schritt-Methode beschraenkten - und heil unten ankamen.

Baldwyn Street, die steilste Strasse der Welt!

Gestern machte ich mich auf den Weg, ein weiteres Highlight Dunedins zu besichtigen, eines, das die Sinne betoert und in vielen, vielen Varianten im Supermarktregal zu finden ist: Schokolade. Gleich um die Ecke befindet sich naemlich Neuseelands groesste Schoko-Fabrik, die 85% von Neuseelands Schokolade produziert, Cadbury's. Sei es dunkle, weisse, Nuss-, Rosinen-, gestreifte, gefuellte oder sonstwelche Schokolade, mit groesster Wahrscheinlichkeit wurde sie in Dunedin fabriziert, verpackt und, sofern nicht gleich aufgegessen, in den Rest des Landes verschickt. Unter den Backpackern im Hostel ging das Geruecht herum, es gaebe gar einen Schokoladenwasserfall ueber zwei Stockwerke - bei der Vorstellung lief mir schon das Wasser im Mund zusammen und ich war felsenfest entschlossen, herauszufinden, ob dies denn der Wahrheit entspricht. So machte ich mich heisshungrig auf den Weg, gewiesen von dem lila Cadbury-Turm, der ueber mehrere Blocks zu sehen ist (ist Lila eigentlich irgendwie typisch Schokolade?). Am Haupteingang kaempfte ich mich durch Scharen von amerikanischen Touristen, die mit Reisebussen und Kreuzfahrtschiffen angekarrt wurden und anscheinend die gleiche Idee hatten, und ergatterte ein Ticket fuer die naechste Tour. Haeubchen auf und ab ging es durch ein Wirrwarr von Gaengen, Fluren und Fliessbaendern, bei deren Anblick in Kombination mit jedermanns Haarhaeubchen ich mich sehr an Kiwipackhaus erinnert fuehlte - wenn da nicht dieser wundervolle Duft von frischer Schokolade gewesen waere!

Anderthalb Stunden lang wurden wir in die Geheimnisse der Schokoladenherstellung eingeweiht, natuerlich mit Verkostungsbeispielen, und wo wir nicht direkt sehen konnten, was mit der Schokolade passiert, gab es nette Filmchen, die die Entwicklung von Kakaomasse zu Schoko-Tafel dokumentierten. Am Ende wartete natuerlich ein Andenkenladen mit ganz furchtbar viel Schokolade, der mit jeder hereinkommenden Gruppe erneut gepluendert wurde. Voellig baff beobachtete ich, wie sich Leute mit einem 10 Jahres-Vorrat an Schokolade eindeckten oder ohne mit der Wimper zu zucken 150 Dollar zueckten, um ihre fuenf Taschen Schoki zu bezahlen. Du lieber Himmel! Ich kam mir mit meiner armseligen einen Tafel voellig verloren vor und wurde prompt von der unglaeubigen Kassiererin gefragt: "That's it?!" Jep, that's it - obwohl, nicht zu vergessen: Ja, den Schokowasserfall gibt es wirklich, er geht tatsaechlich ueber zwei Stockwerke, dient nur zur Belustigung der Touristen - und er steckt im lila Cadbury-Turm!

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