Dienstag, 31. März 2009

Souther than south is southernmost

Neuseeland reicht von der Nordspitze bis zur Suedspitze. 1200 km lang. Cape Reinga bis Bluff. Am Cape Reinga war ich am Anfang, aber doch nicht ganz am Anfang. In Bluff nun gegen Ende, aber doch noch nicht ganz zum Schluss. Ueberhaupt ist Bluff auch gar nicht der suedlichste Punkt Neuseelands, das ist naemlich der Slope Point 60km oestlich von Bluff, zumindest so lange man Stewart Island nicht mitzaehlt. Denn dieses kleine Inselchen hat die Nase vorn im Rennen um den Titel als suedlichster Punkt Neuseelands, da kann kein Bluff, Blope oder Slope mithalten. Doch der Reihe nach, wie kommt man denn vom tobenden Dunedin ins eher trostlose Bluff, wo das einzige, was tobt, der Wind ist?


Es begab sich, dass Klein Julche entschied, genug von Dunedin gesehen zu haben. Ziemlich zeitgleich faellten Hanna und Tobi, schon bekannt von einem frueheren Raglanbesuch und zufaelligerweise im gleichen Hostel, die gleiche Entscheidung. Ebenso tat Lucy aus den USA. Kann man ja genauso gut zusammen fahren, so die einhellige Meinung und so wurde der Van vollgestopft mit Taschen und Rucksaecken, Lucy's Fahrrad und Lucy und Hanna selber, waehrend Tobi sich als "Master of the Map" auf dem Beifahrersitz gemuetlich machen durfte. Bevor es allerdings weiter gen Sueden gehen sollte, wollten wir die Otago Peninsula unsicher machen: Eine suesse, wild bewachsene und sehr, sehr huegelige Halbinsel im Osten der Stadt, die neben der menschlichen Spezies auch von Albatrossen und Pinguinen bewohnt ist. In Neuseeland tickt die Uhr ein bisschen langsamer und so waren wir definitiv zu frueh fuer die Pinguine, ausserdem stellten wir fest, dass Albatrosse riiiesig gross sind und so lange Fluegel haben, dass sie sie sich zweimal gefaltet unter den Arm klemmen koennen - wer so lange Fluegel hat, der braucht auch ein bisschen Wind um die ganze Masse in die Wolken aufschwingen zu koennen und eben da lag der Haken. Fuer Neuseeland ungewoehnlich, aber natuerlich wieder typisch, sobald wir ein paar Tage in Dunedin sind, ist es eine komplette Woche absolut windstill. Also keine Albatrosse. Schnief.

Zumindest die Spur eines Albatrosses: Ausgestopft im Informationszentrum

Stattdessen fuhren wir ueber noch viel kurvigere Strassen zur Sandfly Bay. Die heisst nicht etwa so, weil es da besonders viele Vertreter der laestigen (und fies stechenden!) Sandfliege gibt, sondern weil da der Sand durch die Gegend fliegt und sich zu riesigen Duenen aufschiebt, zwischen denen sich dann doch noch ein paar Tierchen tummelten. Nein, keine Pinguine, auch keine Albatrosse und gott sei Dank auch keine Sandfliegen, sondern Seeloewen, in einem Kaliber, das durchaus Angst einfloessend ist. Einer stellte sich schlafend, so dass wir die Chance waehnten, uns ein bisschen naeher ranschleichen zu koennen, um ein gutes Foto zu schiessen - bis er ploetzlich aufsprang und auf uns los ging! Hilfe, so schnell bin ich noch nie eine Sandduene hochgesprintet! Kurze Zeit spaeter spielte sich am Strand die reinste Seifenoper ab: Maennchen eins hoppelt gen Wasser, erblickt dann Weibchen und verliebt sich auf den ersten Blick. Langsame Annaeherungsversuche werden erst gelassen geduldigt, dann springt der Funke ueber und die zwei liebkosen sich gegenseitig und schlafen schliesslich sich aneinander kuschelnd ein. Doch nicht lang dann taucht Maennchen zwei auf und will Maennchen eins das Weibchen streitig machen. Es folgt eine wilde Gerangelei, begleitet von maechtigem Gebruell - und wir als Zuschauer auf der sandigen Tribuene! Schlussendlich verscheucht Maennchen eins den laestigen Mitbewerber, der haut ab, Maennchen eins schlaeft voellig entkraeftet ein und Weibchen interessiert das alles sowieso herzlich wenig, sie ist eher damit beschaeftigt herauszufinden, wie sie die laestigen Passanten auf zwei Beinen verscheuchen kann.

Wenn zwei sich streiten...

Weiter ging es in die Catlins, einen zauberhaften Landstrich, der aussieht als kaeme er direkt aus Hobbingen. Gruene Huegel wechseln sich ab mit ein bisschen Wald und Wiesen und kleine Farmen und Gehoefte liegen wie Bausteine dazwischen verstreut. Der Campingplatz liegt hinter einer 11km langen Schotterstrasse "versteckt" und ist daher wunderschoen einsam und wie leergefegt. Wir vier fuehlten uns dann auch wie kleine Hobbitkinder, machten Lagerfeuer und Stockbrot und gingen auf Erkundungstour in den Wald. Ein kleiner Pfad fuehrte immer weiter am nahen Fluss entlang durch den Wald, der zuerst noch ein loser Laubwald war, spaeter immer dunkler und feuchter wurde und sich schliesslich als wahrer Regenwald entpuppte. Moos ueberzieht die Steine, zwischen denen Pilze in allen Farben und Groessen wachsen, Farne, entweder baumhoch oder zwischen den Baeumen hervorlugend, deren Rinde mit Moos ueberwuchert ist.

Gruen, gruen, wohin das Auge blickt und still. Nur das Wasser im Fluss plaetschert vor sich hin und die Blaetter spiegeln sich darin. Lucy und ich schleichen andaechtig den Weg entlang und ich vermute hinter jedem Baumstamm einen Elben, so zauberhaft und irreal scheint mir dieser Maerchenwald. Hanna versuchte sich noch im Angeln, hatte aber keinen Erfolg, daher mussten wir mit weniger zauberhaften, ja was wohl, Nudeln mit Tomatensosse vorlieb nehmen.

Mit Hanna, Tobi und Lucy bei den Matai Falls

Gestern machten wir uns abermals auf den Weg weiter gen Sueden und fuhren weiter in Richtung Invercargill. Auf dem Weg schauten wir einen fossilen Wald in der Curio Bay an und machten auch einen Abstecher zum Slope Point und erreichten dann irgendwann Invercargill, wo wir Hanna und Tobi absetzten und uns auf den Weg zum naechsten Campingplatz machten.

Wind und Wellen in der Curio Bay

Invercargill hat eher einen rauhen Charme, das schoenste sind wohl die botanischen Gaerten mit wundervollen Rosenanpflanzungen. Ansonsten ist die Atmosphaere eher herb, das kann aber auch am Wetter liegen. Noch nie war es so kalt und windig! Ob mich das so an Norddeutschland erinnert? Vielleicht sind es eher die endlosen Weiden mit schwarzbunten Kuehen, die kleinen Waeldchen und Knicks, der endlose Himmel. Ja, was bei uns der Norden, ist hier der Sueden, the deep, deep South with the southernmost point. Von Cape Reinga bis Bluff reicht meine Reise schon, nun gilt es den Westen und Suedwesten der Suedinsel zu erkunden - doch das, liebe Leute, ist ein neues Kapitel; wie es weitergeht, erfahrt ihr beim naechsten Mal.

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