Lake Te Anau - ziemlich blau!
Hach ja, was war es doch fuer ein schoener Tag: Die Sonne schien, die Voegel zwitscherten und Lucy und ich sassen in der Sonne am Lake Hauroko und haben Nutella-Sandwiches verspeist. Zugegeben nur die Moechtegernnutella aus dem Billigsupermarkt - was solls. Wir verspeisten Nutella, die Sandflies verspeisten uns und die Keas machten sich an meinem Auto zu schaffen, also alles sehr harmonisch. Der Lake Hauroko ist der tiefste See Neuseelands und scheint demnach auch eine ueberdimensionale Sandfliegenpopulation aufzuweisen, unglaublich, wie viele von den Dingern da rumschwirrten und uns bissen, anscheinend hatten wir noch nicht genug Vegemite gegessen - dessen Vitamin B Anteil haelt naemlich angeblich Sandflies und Muecken fern. Das kann natuerlich auch nur eine schlau eingefaedelte Werbekampagne fuer Vegemite
sein, aber es scheint doch ein wahrer Kern dahinter zu stecken. Kurzentschlossen fluechteten wir vor den Sandflies und wanderten einen nahen Berg hinauf, von dem aus man eine sagenhafte 360 Grad-Aussicht auf die umliegenden Seen hatte, die im nachmittagelichen Sonnenlicht glitzerten. Froehlich schwatzend machten wir uns wieder auf den Weg hinunter - und verpassten anscheinend glatt die richtige Abzweigung. Der Pfad war nur mit winzigkleinen orangenen Pfeilen markiert und auch sonst nicht besonders deutlich erkennbar, tja, da kann das schonmal passieren. Also wieder umgekehrt, nichts gefunden, gleichen Weg zurueck, hier sieht's ja so aus als waeren schon mehrere Leute hier hinunter gelaufen... wenig spaeter Korrektur, nein, es ist normalerweise das Wasser, das hier bei Regen sturzbachartig herunterrauscht. Aber was solls, eigentlich muessen wir ja nur den Berg hinunter- und dann den See entlangwandern, kann ja nicht so schwierig sein. Also nahmen wir die Abkuerzung und stiefelten munter den Berg hinunter, kraxelten durch Farne und ueber bemooste Baumstaemme und stellten fest, dass es a) steiler war als von oben anzunehmen, b) dass man sich hier kein Bein brechen sollte, weil einen nie jemand findet und c) dass alle Baeche ja doch zum See fuehren muessten, es also die beste Idee ist, einfach den Bach entlang zu wandern. Zumindest dachten wir das, bis und ploetzlich ein 5m hoher Wasserfall, umsaeumt mit Felsen, und mehrere weitere Klippen den Weg versperrten. Aubacke. 1 Liter Wasser und null Snacks? Nicht gerade gut ausgeruestet! Wir kletterten weitraeumig drumherum und dann weiter den Berg hinunter. Nachdem unsere "Abkuerzung" schon doppelt so lange wie der eigentliche Weg gedauert hatte und die Beine langsam etwas lahm wurden, erreichten wir endlich den See. Doch in welche Richtung weiter? Wider Erwarten war der Steg, der beim Campingplatz ins Wasser ragte, nirgendwo zu sehen. Spaetestens jetzt wurde uns klar, dass wir wohl schlechtmoeglichst ausgestattet waren, die Nacht im Busch zu verbringen: Kein Trinken, kein Essen, eine Regenjacke fuer uns beide und von warmer Bekleidung kein Spur... hilfe! Der naechste Ort ist 35km entfernt, das naechste menschliche Wesen 2, in welcher Richtung auch immer. Ziemlich verzweifelt wanderten wir in die eine Richtung, fanden absolut gar nichts, betrieben intensive Fotorecherche mit den Fotos, die wir vom Aussichtspunkt geschossen hatten und stellten fest, dass wir viel zu weit rechts gelandet waren. Ein Lichtblick! Endlich wanderten wir in die richtige Richtung und sahen nach 15 Minuten das erste menschliche Wesen, das, nein Lucy, keine Ente war. Juchee Zivilisation! Jozef aus der Slowakei war von dort an unser Held, der uns wahrscheinlich fuer voellig verrueckt erklaerte, als er zwei bescheuert kichernde Maedels aus dem Nichts kommend am Strand entlang wandern sah - gelernt fuer die Zukunft? Keine Shortcuts, dafuer aber Wasser, Essen und einen warmen Pullover bei der naechsten Wanderung. Ja, vielleicht sollte jeder mal im Kiwi-Busch verloren gehen, einem wird doch so manches klar...
Nachdem wir unser Abenteuer mit einem Schrecken ueberlebt hatten, fielen wir nach einem abendlichen Lagerfeuer (Waerme! Licht! Essen!) todmuede ins Bett, nur um unsaeglich frueh von Jozef wieder geweckt zu werden. Der wollte naemlich frueh aufbrechen und hat ebenfalls eine Abkuerzung genommen, naemlich die durch die dickste Schlammpfuetze des ganzen Campingplatzes. Resultat: Ein steckengebliebener Wagen, drei vom Schieben erschoepfte Leute und ein paar nasse Hosen und Schuhe. Kaum waren wir wieder im Bett verschwunden, wurden wir abermals geweckt, ein Hubschrauber landete direkt vor uns auf der Wiese. Herrje, was ist denn los? Ein Hubschrauber mitten in the middle of nowhere? Achja, erster April... also fuer uns, passiert ist all dies wirklich!
Um uns von dem Schrecken zu erholen und mal was entspanntes zu machen, schipperten wir auf einem mit Touris gefuellten Schiff durch den sagenhaften Milford Sound, der eigentlich gar kein Sound, sondern ein Fjord ist. Irgendwer hat sich in der Vergangenheit auch mal verschrieben, deshalb heisst die Gegend Fiordland und nicht Fjordland. Der Milford Sound ist der Tourimagnet ueberhaupt, so viele hab ich noch nirgendwo gesehen! Er ist wirklich sagenhaft, steile, mit Dschungel ueberwucherte Felswaende, 7m Regen pro Jahr, Wasserfaelle ohne Ende und Tonnen von Sandflies.
Charakteristische Bergformation im Milford Sound
Einen Tag spaeter machten wir eine Kanutour durch den viel abgelegeneren Doubtful Sound, der meiner Meinung nach der viel schoenere von beiden ist. Groesser, wilder, rauher - und leerer. Da es soviel schwieriger ist, dorthin zu kommen, sind auch laengst nicht so viele Touris unterwegs. Wir paddelten durch den Sound und genossen die Stille und die Natur, wow, ohne Probleme koennte ich den Rest der Zeit in Fiordland verbringen!
Voellig verzaubert kamen wir von dem Kajaktrip zurueck und beschlossen, das Fiordland noch weiter zu erkunden, naemlich auf dem 3-4 taegigen Kepler Trek, einer Wanderung durch die Berge rund um Te Anau. Sachen gepackt, Campingplaetze gebucht, nach dem Wetter erkundigt und losgewandert. Der erste Tag war noch kurz, nach drei Stunden waren wir schon am gewuenschten Campingplatz, der ganz wider Erwarten menschenleer war - hiess es nicht, die Great Walks, von denen der Kepler Trek einer ist, seien immer voellig ueberfuellt? Wohl eher nicht! Der naechste Tag war ziemlich heftig, wenn man auf den Campingplaetzen uebernachtet, hat man naemlich die gesamte Bergroute an einem Tag, weil die Plaetze so schlecht verteilt sind und so mussten wir 9 Std. wandern um zum naechsten Campingplatz zu kommen. Erst den Berg hochgestapft, aechz, mit ca. 10kg auf dem Ruecken, dann ueber den Bergruecken und verschiedene Bergsaettel, auf denen uns nach dem gestrigen Regen dann auch noch horizontal fliegender Schnee erwartete!
1 Kommentar:
hej julchen, der schnee hat sich (zum glueck ...) endlich aus stockholm verzogen, dafuer habe ich mir heute meinen ersten sonnenbrand geholt, herje ... ich wuensche dir ein frohes osterfest/ happy easter/ glad påsk!
R*
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