Oh, es ist alles sooo gruen. Der Wald, die Baeume, das Moos, das Gras - in den verschiedensten Abstufungen, von leicht gelblich ueber graugruen bis tuerkis und schwarzgruen. Dass hier alles gruent und spriesst, liegt definitiv daran, dass es so viel regnet. Ich haette besser nicht davon berichten sollen, dass wir bisher noch keinen Regenguss abgekriegt haben, prompt in dem Moment fing es naemlich an zu schuetten. Hat seitdem auch nicht mehr aufgehoert.
Kaum erreichten wir Hokitika stellten wir fest, dass unser Timing wie gewohnt aussergewoehnlich bescheiden war: Feiertag heisst, dass alles zu ist. Nach besagtem Feiertag, dem Anzac Day (gedenkt der neuseelaendischen Opfer des 2. Weltkriegs), folgte der Sonntag - ebenfalls alles zu. Oder zumindest das, was wir in Hokitika unbedingt machen wollten: Jadeschnitzen. Die Westkueste Neuseelands ist naemlich nicht nur fuer gruene Baeume, notorisch schlechtes Wetter und ihre Einsamkeit beruehmt, sondern auch dafuer, dass in den Fluessen desoefteren mal komische gruene Steine rumschwimmen (oder eher tauchen), bei denen es sich wahrhaftig um reine Jade handelt. Seitdem ich vor 8 Monaten im Lonely Planet gelesen hatte, dass man in Hokitika ein Workshop besuchen kann, in dem man seinen eigenen Jadekettenanhaenger schnitzt, hatte ich davon geschwaermt, "Greenstone carving" zu machen. Jeder Tourist, aber auch jeder Einheimischer laeuft naemlich mit einem Jadeanhaenger um den Hals herum. Meistens ein Maori-Symbol, das fuer irgendetwas Hochtrabendes steht. Die meisten stammen aber aus dem Tourishop an der Ecke und so mancher Busget-Traveller waehlt gar die Variante aus Plastik - nicht mit uns!
So wurden aber erstmal auf nach dem Wochenende vertroestet und gondelten in der Zwischenzeit rund um Hokitika - mit einer Mission: Was ist noch cooler als sich einen eigenen Jade-Anhaenger zu schnitzen? Genau, eigene Jade zu finden und den Anhaenger daraus zu schnitzen! Auf Couchsurfer Dave's Rat hin machten wir uns auf und fuhren durch endlose Wiesen (ohne Schafe, aber mit vielen, vielen Kuehen!) zu einem Fluss. Da die letzten zwei Kilometer der Strasse eher einem Motorcross-Track glichen, liessen wir Miss Mullet zurueck und stapften des Rest zu Fuss. Am Fluss angekommen dauerte es auch wahrhaftig nicht lange, bis wir den ersten gruenen Stein gefunden hatten, oh wow! Leicht gruenlich schimmerte er, dunkel war er auch, perfekt. Bald fanden wir immer mehr gruene Steine, die Opfer einer Kidnapp-Aktion wurden und in unsere Taschen wanderten - leider dauerte es auch gar nicht lang bis wir selber Opfer wurden und zwar hatten uns die dicken Wolken doch gefunden und wahre Massen an Wasser schossen auf uns nieder. Mit Wasser von oben und von unten und von allen Seiten waren wir bald nass bis auf die Knochen und machten uns auf den buchstaeblich steinschweren Weg zurueck zu unserem Auto. Gar nicht erfreut bei der Vorstellung einen weiteren Abend eingepfercht im Van zu hocken, nachdem wir schon den letzten Abend bei Sandwiches im Van verbracht hatten, zumal nun ja auch noch alles nass war! Rettung nahte in Form eines Milchbauern, der gleich nebenan wohnte und anscheinend kopfschuettelnd die zwei verrueckten Maedels beobachtet hatte, die sich da auf den Weg zum Fluss gemacht hatten. Er lud uns nicht nur auf eine heisse Tasse Tee ein, sondern beglueckte uns auch gleich mit einer heissen Dusche und dem Angebot, doch die Nacht ueber im Gaestezimmer auf dem Boden zu campen. Ich liebe Kiwiland! So hilfsbereite nette Menschen findet man nicht ueberall. Voellig mit der Welt zufrieden verbrachten wir den Abend also Popcorn-mampfend vorm Fernseher statt bibbernd im Regen - so laesst sich auch das schlimmste Westkuestenwetter aushalten...
Am naechsten Tag stellten wir fest, dass die Steine, die wir so sorgfaeltig eingesammelt hatten, allesamt eher grau als gruen waren, sobald sie erstmal getrocknet waren - selbst in Neuseeland findet man Jade wohl auch nicht wie Sand am Meer. Gott sei Dank versorgten sie uns im Workshop mit richtigem Greenstone und so schliffen, saegten, schabten, pfeilten, kratzten und polierten wir endlos lange an unseren Steinstueckchen, bis sie nach Stunden endlich die gewuenschte Form erreicht hatten. Da wir gestern nicht fertig wurden, verbrachten wir die Nacht im Backpacker und feilten heute morgen weiter an unserem Stueck steinerner Perfektion - mit Erfolg! Nun sind wir beide stolze Besitzer eines gruen schimmernden Stueck glaenzender Jade um den Hals, mit einem Maori-Design, wie es sich gehoert. Meins sieht aus wie eine doppelt gedrehte Acht, wobei sich im unteren Kreis eine Spirale befindet, ein sogenanntes Koru, das fuer Wachstum und Entfaltung steht. Und fuer Harmonie. Das passt perfekt, gilt gruen doch auch immer als eine sehr harmonische Farbe. Harmonische Harmonie, gruener Greenstone - und viele Gruesse von eurer voellig harmonischen Jule...
PS: Lucy hat sich eine MundHARMONIKA gekauft. Beide voellig harmonisiert.
Harmonika ist aber leider nicht gruen.
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1 Kommentar:
Ola Sie,
ich pfeile, säge, kratze, schleife und poliere grade an meinem Zeitmanagement (wasne Überraschung...^^), auch wenn ich mir das Ergebnis danach leider nicht um den Hals hängen kann. Da hast du es wohl, wie mit so vielem, dort unten ne Spur entspannter ;-) Wie beruhigend, dass es dich aber irgendwann mal wieder in unsre hektischen Gefilde verschlagen wird.
Liebe Grüße,
der Felix
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