Ein seltsames Gefuehl beschleicht mich in letzter Zeit immer oefter, die Erkenntnis, dass meine Zeit hier sich immer rascher dem Ende naehert. Das letzte bisschen mal durch die Gegend gondeln, das letzte Mal campen, das letzte Mal kochen auf dem Campingkocher - das letzte Mal Nudeln mit Tomatensosse wird es aber wohl noch nicht gewesen sein, fuerchte ich. Ein Hauch von Wehmut liegt in der Luft, ach was, kein Hauch, sondern eine ganze Wolke! Dabei bin ich doch immer noch hier und werde es auch noch ein paar Wochen bleiben. Dennoch - die Zeit des Rumreisens ist vorueber. Nach unserer erfolgreichen Schleifprozedur fuhren wir weiter nach Greymouth, etwas weiter noerdlich an der Westkueste, und verbrachten eine Nacht im Schlemmer-Hostel schlechthin. Die Betreiber haben naemlich einen Deal mit der oertlichen Baeckerei und so bekommen die hungrigen Backpacker gegen Nachmittag taeglich die uebrig gebliebenen Leckereien aus der Baeckerei, Donuts, Bagels, Pies und was immer das Herz sonst noch begehrt - himmlisch! Dazu gibts eine Waermflasche, ein frisch bezogenes Bett und einen Whirlpool gibts auch noch, hach, geradezu paradiesische Zustaende nach der Bibberei im Van. Nachts wird es naemlich empfindlich kuehl, so dass wir bereits alle moeglichen Strategien probiert haben, den Van irgendwie zu daemmen: Isomatten gegen die Waende, Klamotten vor die Tueren und mit Handtuechern die Fahrerkabine abtrennen. Die effektivste Variante war aber wohl das Anziehen von gefuehlt 25 Pullovern, 10 Hosen und vier Muetzen - danach kann man sich kaum bewegen und sieht aus wie ein Michelin-Maennchen. So ausgeruestet krabbelt man dann irgendwie in den Schlafsack und fragt sich warum Autos nicht grundsaetzlich mit Heizungen ausgestattet sind, die keinen laufenden Motor benoetigen. Das folgende "Reptilien-Syndrom" verhindert morgens, dass wir ueberhaupt auch nur irgendetwas zustande bekommen, meistens brauchen wir heissen Porridge, heisse Schokolade und etwas Morgengymnastik, um aus unserer Kaeltestarre zu erwachen und zumindest eine Spur von Aktivismus einzulaeuten.
Zurueck nach Greymouth: Zwei weitere Naechte verbrachten wir bei einem Freund von Lucy, Matt, der mit ein paar anderen jungen Leuten in einem recht putzigen Haus wohnt. Beim ersten Schritt ueber die Schwelle wurden wir vor allerlei Details gewarnt: 1. Bei Nacht das Licht im Klo anschalten, bevor man einen Schritt hineinsetzt, damit die Kakerlaken Zeit haben, wegzukrabbeln, 2. Nicht wundern, dass man durch den Fussboden im Badezimmer den Grund draussen sehen kann und 3. bei Regen aufpassen, dass man nicht in den Bach tritt, der sich durch die Kueche schlaengelt. Hatte ich erwaehnt, dass es an der Westkueste viel regnet? Nun ja, es regnete die naechsten drei Tage lang. Gummistiefel sollten zur Grundausstattung eines jeden Reisenden gehoeren... Neben einer Besichtigung der Monteith's Brewery, die wirklich leckeres Bier brauen (besonders zu empfehlen ist das Summer Ale), kamen wir auch endlich in den Genuss, die DVD von "Flight of the Conchords" zu sehen, zwei Kiwi-Comedians, die dank ihrer Fernsehshow schon fast so etwas wie Nationalhelden sind und deren Album mich schon seit geraumer Zeit begleitet. Die DVD ist mindestens genauso gut wie das Album - kann daran liegen, dass die Songs auch auf der DVD vorkommen... nur eben in eine lustige Show verpackt. Also guckten wir Flight of the Conchords bis wir Muskelkater in den Bauchmuskeln vor Lachen bekamen, zu koestlich!
Vor ein paar Tagen machten wir uns dann wieder auf die Socken, nicht etwa weil wir aus der Wohnung geschwemmt wurden, sondern einfach weil es langsam Zeit wurde, zurueck nach Christchurch zu fahren. Bei einer Stippvisite in Punakaiki schauten wir bei den Pancake Rocks vorbei, riesige Felsen im Meer, die in der Weise, wie die Gesteinsplatten aufeinander geschichtet sind, an einen Stapel Pfannkuchen erinnern. Dann ging es ueber den sehr sehr kurvigen Arthur's Pass zurueck nach Christchurch, nocheinmal herrliches Alpenpanorama und steile Haarnadelkurven, durch die sich Miss Mullet tapfer quaelte. Warum eigentlich "Miss Mullet"? Es begab sich, dass wir zu viert im Van durch die Catlins gondelten, ich als Fahrer und Tobi als "Master of the Map" bildeten den Part "Business in the front", waehrend Hanna und Lucy hinten kichernd auf dem Bett liegend den "Party in the back"-Teil uebernahmen: "Business in the front, party in the back", das klingt nach dem Haarschnitt Vokuhila, auf den so mancher Kiwi irgendwie zu stehen scheint, aus welchen Gruenden auch immer. Die Uebersetzung folgt auf dem Fuss, Vokuhila=Mullet, so kam Miss Mullet zu ihrem Namen und das Geheimnis ist gelueftet.
Nun sind Miss Mullet, Lucy und ich also zurueck in Christchurch und wohnen bei ein paar Freunden von Lucy. Einen guten Tag lang haben wir das Autochen poliert und geschrubbt und sitzen nun beim Car Market und warten darauf, dass jemand vorbeischaut und den wahren Wert unseres Lieblings erkennt. Bisher leider vergeblich... es ist aber auch die wahrhaftig schlechteste Zeit ueberhaupt um ein Auto zu verkaufen: Alle Backpacker auf dem Heimweg und wer geht schon im Winter campen? Also drueckt die Daumen, Zehen und was ihr an Gliedmassen sonst noch so findet...
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