Montag, 11. Mai 2009

Chilly Chilling

'Chill' hat zwei Bedeutungen. Zum einen heisst 'chillen' herumhaengen und relaxen, zum zweiten heisst 'chill' Kaelte. Und in so mancher Situation passt beides. 8 Monate konnte ich mich damit bruesten, wie wundervoll warm es hier ist, wie toll die Sonne scheint und wie knackig schokobraun ich bin und aus irgendeinem Grund hatte mein anscheinend etwas zu sonniges Gemuet angenommen, das bliebe so den Rest der Zeit. Aber nichts da: Es ist kalt. Saukalt. Und es regnet. Ziemlich pausenlos, was es noch kaelter macht. Was das zweite Paar chillen angeht, wuenschte ich, dass es bald zuende waere, ich chille naemlich gerade ueberwiegend auf dem Christchurch Carmarket herum und das auch nur aus dem Grund, dass nach einer Woche immer noch niemand die wahre innere Schoenheit von Miss Mullet entdeckt und das Auto gekauft hat. Das ist grundsaetzlich auch keine Ueberraschung, wer geht bei diesen Temperaturen schon auf die Wanderung ueber Christchurchs Automaerkte, geschweige denn mit dem erstandenen Campervan campen?! Zumal, wenn das Auto nicht unbedingt wirklich winterfest ist? Seufz, irgendwie hatte ich mir das alles doch einfacher vorgestellt. Von ein paar mehr Menschen als den 1-3 Gestalten fantasiert, die im wahrsten Sinne des Wortes taeglich reinschneien. Hoechstens alle zwei Tage wird mal ein Auto verkauft und so langsam frage ich mich, ob meins denn jemals an der Reihe sein wird. Inzwischen kenne ich jedes Backpackerhostel in der ganzen Stadt und habe mit meinen Flyern diverse Pinnwaende verziert. Auch die empfohlene direkte Kundenansprache scheint nicht so ganz zu funktionieren, wie auch, wenn keine Kunden da sind. Sie hat lediglich zur Folge, dass eine ganze Gruppe von verzweifelten Backpackern den ganzen Tag auf dem Carmarket in einem unbeheizten Raum rumhockt und sich die Fuesse abfriert. Man wirft sich feindseelige Blicke zu, jedes andere Auto ist schliesslich Konkurrenz, und guckt sehr seltsame Filme aus der bereitstehenden halben Videothek, die dazu dient, die Zeit zu vertreiben und die Nerven zu retten. Letztens erst war es ein neuseelaendischer Film ueber eine Herde genmanipulierter Schafe, die die Menschen attackiert und die Weltherrschaft an sich reissen will - irgendwo zwischen lachhaft, schockierend und eklig. Hilfe, ich behaupte nie mehr, Schafe seien dumm und harmlos! Um die klammen Finger beweglich zu halten, haben Lucy und ich angefangen, Muetzen zu haekeln, die wir inzwischen meistbietend versteigern... naja, fast. So ganz hat es sich noch nicht rumgesprochen, wie warm und toll unsere Muetzen sind, daher koennen wir aus dem angewachsenen Stapel jeden Morgen eine neue aussuchen und unseren Anteil zu Christchurchs Fashion-Szene beitragen. Irgendwo zwischen heissen Kaffee schluerfend, Kekse futternd und Verkaufsstrategien schmiedend ist aus unserem elenden Haeufchen frierender Traveler eine Gruppe von Leidensgenossen geworden, inklusive Matt, dem Betreiber, der alles Menschenmoegliche versucht, um uns zu helfen - und so machten Lucy und ich nach einer Weile zusammen mit zwei Kanadiern und zwei Englaendern nicht nur schwarze Bretter, sondern auch Christchurchs Bars unsicher, die aufgrund des Wetters und der Jahreszeit temporaer meist ziemlich leer sind. Und nach einem weiteren Tag Power-Chillerei retten Lucy und ich uns zu ihren Freunden Pete und Rena, die uns netterweise kostenlos Asyl und ein Dach ueber dem Kopf bieten. Ach, so ein dritter Sommer in Folge haette schon was...

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