Samstag, 23. Mai 2009

Das lange Ende

Es scheint, als wollte das Wetter mir den Abschied leichter machen. Seit gefuehlt Wochen regnet es ununterbrochen, der Berg huellt sich in eine graue Wolkendecke und es stuermt. Alles fliegt durch die Gegend und jeden Morgen ist einer von uns damit beschaeftigt, den ganzen Muell wieder einzusammeln, der sich nachts weitlaeufig ueber die Wiese verteilt hat. Wir, das sind ausser mir noch Emma aus England und Marlieke aus den Niederlanden, zwei weitere Helferlein auf der Farm. Zu dritt sind wir wahrhaftig unterbeschaeftigt, besonders zu Zeiten wie jetzt, wo sich kein Schwein vor die Tuer oder gar erst auf einen Pferderuecken traut. Darueber bin ich nicht mal boese, denn dann waere es schliesslich an mir, die tapferen Reiterlein durch den Busch zu fuehren, der sich dank dem stetigen Wasserguss von oben in eine Sumpflandschaft verwandelt hat. Wenn sich ab und zu die Wolken dann doch mal lichten, kann man die Bergspitzen der Alpen erspaehen, die inzwischen voellig in Schnee gehuellt sind, dass es aussieht als waeren sie mit Puderzucker bestreut. Auch bei uns ist es knackig kalt, sogar ohne dass Schnee liegt. So um die 7 Grad, das erfordert schon Klamottenschichtung, ist aber durchaus auszuhalten - im Vergleich zum suedlichen Ende der Suedinsel ist es sogar ziemlich warm, zumindest kam es mir hier ausserordentlich warm vor, als ich in Kaikoura ankam, und ich bin die ersten Tage nur in Pullover herumgelaufen! Nun kuschel ich mich aber genuesslich mit einer Wolldecke und einer heissen Tasse Kiwi-Tee in meine kleine und mollig warme Kammer und geniesse meine zwei Kanaele Fernsehprogramm. Der eine (und bessere) funktionierte die ersten Tage nicht - das war vielleicht ein Schock! Nach ein bisschen Kabeldrehen ging es dann aber doch, sehr zu meiner Erleichterung. Habe mein drittes Buch durchgelesen und diverse Muetzen gehaekelt und wenn ich nicht gerade damit beschaeftigt bin, kann es passieren, dass ich einer Hungerattacke nachgebend Emma oder Marlieke in der Kueche treffe. Mit der gleichen Idee: Langeweile macht naemlich hungrig, besonders wenn man fuer das Essen nicht bezahlen muss und die Baeckerei wieder einmal diese wunderbaren Rosinen-Apfel-Zimt-Schnecken geschickt hat... mmh.
Alle paar Tage ist das Wetter mal gut genug, dass sich doch jemand aus der Stadt herauswagt und auf die Farm kommt, oder etwas anderes interessantes passiert, z.B. kam neulich eine 25-koepfige Kindergruppe der Pfadfinder vorbei und sollte ueber Tierhaltung und Teambuilding aufgeklaert werden (uff...). Dennoch kommt es mir so vor, als wuerde ich nur noch darauf warten, wieder zurueck nach Christchurch zu fahren und dort in den Flieger zu steigen. Es ist alles verkauft, was verkauft sein soll, mein Rucksack kommt ohne magische Vergroesserung aus und bis auf ein paar organisatorische Dinge ist alles geklaert - der Heimkehr steht nichts mehr im Weg. Ich freue mich darauf meine Familie und Freunde wieder in die Arme schliessen zu koennen, nach fast 10 Monaten wird es Zeit. Ich bin zwar auch traurig, dass diese wunderschoene Zeit zuende geht und ich diesem wunderschoenen Land den Ruecken kehren muss, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass dies nicht der letzte Besuch war, nicht das letzte Mal, dass mich dieses Land gesehen hat! Die Erinnerung an schneebedeckte Berge, Schluchten, Fjorde, gruene Huegel, tropische Straende und Regenwald, und nicht zuletzt an wunderbare Menschen, Entspanntheit, praktisches Denken und Gastfreundschaft, wird mich ueber kurz oder lang hierher zurueck locken! So werde ich also versuchen, so gut wie es geht die letzten Tage hier zu geniessen, obwohl mein Kopf zur Haelfte schon zurueck in Deutschland ist. Seufz. Wie sagte Lucy so schoen - Home is where your heart is, but I left part of it in New Zealand!

Keine Kommentare: