Samstag, 25. April 2009

Westcoast-Feeling

Eine Bergkette auf der einen Seite, und nicht nur irgendeine, sondern die Southern Alps, riesig gross und schneebedeckt. Auf der anderen Seite der Ozean, auch nicht nur irgendeiner sondern die wilde Tasman Sea, das rauhe Gebiet der "Bruellendes Vierziger" oder "Roaring Fourties", das sich zwischen Australien und Neuseeland auf Hoehe des vierzigsten Breitengrades befindet und schon so manchen Segler in den Wahnsinn oder vielmehr auf den Meeresgrund getrieben hat. Hohe Wellen rollen an den Strand und die Stroemung ist so stark, dass man sie vom Strand sehen kann - nein, nicht unbedingt ein geeignetes Plaetzchen zum Badengehen!

Seltsamerweise hat es das Wetter bisher gut mit uns gemeint und wir haben noch nicht einen von den beruehmten Regenguessen abgekriegt, bei denen alles hier im Wasser versinkt. Manchmal regnet es aber auch einfach tagelang und die Gewitter sollen auch ganz nett sein. Dazu blaest ein kraeftiger Wind und die ganze Luft riecht nach Meeressalz, die Baeume fluechten vor dem Wind und biegen sich zum Landesinneren - obwohl ich gerade darueber aufgeklaert wurde, dass sie keineswegs Windfluechter sind, sondern Salzfluechter, sie koennen schlichtweg nur zur weniger salzhaltigen Seite wachsen. Die letzte Nacht haben wir bei dem Couchsurfer Dave verbracht, 60-jaehriges Kiwi-Urgestein, das uns nach langer Zeit wieder mit einem Bett und einer Dusche verwoehnt hat. Er wohnt in Ross, einem winzigen 200 Seelen-Dorf in der Naehe von Hokitika, das mit einer ziemlich langen Glodgraebergeschichte aufwarten kann, die Dave uns haarklein auseinandergesetzt hat. Nach einem netten Abend kloenend bei einem Teller Pasta und sich spaeter kringelig lachend vor dem Fernseher (Arme Lucy musste eine britische TV-Show ueber sich ergehen lassen, in der sich Briten ueberwiegend darueber ausliessen, wie armseelig ihr Sexleben ist...) zeigten Dave und sein kleiner, uralter und voellig tauber Jack Russell Terrier Rocky uns heute morgen die Hot Spots von Ross und Umgebung und Lucy uebte sich sogar etwas im Goldwaschen und war kreischbegeistert, als sie wirklich ein paar Goldflocken aus dem Steinchaos gesiebt hatte.
Mit Rocky, Dave und Lucy auf dem Friedhof in Ross - der beste Aussichtspunkt in der Gegend!
Nun sitzen wir in Hokitika, der naechstgroesseren Stadt, wo allerdings nun auch nicht wirklich der Baer tobt, sich im Vergleich zur restlichen Westkueste aber wahre Menschenmassen befinden - und seltsamerweise keine Sandflies! Die haben uns naemlich die letzten Tage beim Campen fast in den Wahnsinn getrieben, diese winzigkleinen, widerwaertigen Monster, die nur darauf warten, dass man ein Stueckchen Haut entbloesst. Lautlos kommen sie dann angeflogen und beissen glatt in die Haut, wo sie einen riesigen juckenden Huegel hinterlassen. Muecken sind so harmlos! Sandflies attackieren einen naemlich auch in der prallen Sonne, scheren sich einen Dreck um die Tageszeit oder Jahreszeit und die Bisse hoeren nicht mal auf zu jucken, wenn man sie blutig kratzt. Gott sei Dank sind sie die einzigen Plagegeister in der Richtung.

Ein paar weitere Erkenntnisse:

1. In Neuseeland kann man sich aber auch auf gar nichts verlassen - nicht mal der Kaese ist vegetarisch.

2. Sandflies schlafen. Wobei ich die starke Vermutung hege, dass sie unter meinem Van schlafen, damit sie sich auf uns stuerzen koennen, sobald wir morgens auch nur einen Fuss aus der Tuer strecken.

3. Neuseelaendische Schilder haben immer einen Sinn, sonst waeren sie nicht da.

4. Das Bier "Bavaria" kommt aus Holland.

5. Niemals Shortcuts nehmen.

6. Nachts ist es kaelter als draussen, aber drinnen ist es auch eiskalt. Vor allem im Van.

7. Alle coolen Vans haben einen Namen. Oder nur die coolen Leute geben ihrem Van einen Namen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

hey, ich kenne ein au-pair hier, die kommt aus hokitika! die welt ist klein :-)
ganz liebe grüße
britta