Was ich eigentlich erzaehlen wollte: Ich bin wieder los aus Christchurch und habe mich auf den Weg weiter gen Sueden gemacht. Eine wundervolle Woche lang habe ich mich im Vagabond-Backpackers in Christchurch wie zuhause gefuehlt, dort die Laura, die ich auf der Farm in Kaikoura kennengelernt hatte, wieder getroffen und noch eine Menge anderer netter Menschen kennengelernt. Zusammen feierten wir am 17. Maerz St. Patrick's Day, keine Ahnung, was der so Wichtiges gemacht hat, aber auf jeden Fall Grund genug fuer allemann ordentlich zu feiern. Ich hatte mich ja schon frueher ueber die riesige Anzahl von Irish Pubs in Neuseeland gewundert, in jedem Kuhdorf gibt es hier mindestens einen und in Christchurch an fast jeder Strassenecke, so war denn an besagtem Dienstag auch jede Menge los, ueberall spielten Livebands und auf einmal war jeder Ire oder zumindest Irland-Fan und passenderweise ganz in gruen gekleidet. In einem Pub traf ich sogar Sivan wieder, meinen Buddy vom Tauchkurs, na mensch, so eine Ueberraschung, Neuseeland ist doch echt klein!
Irland-Fans soweit das Auge reicht...
Sogar der Pub in gruenem Licht dekoriert!
Eigentlich wollte ich dann gleich am naechsten Tag los, konnte mich dann aber doch noch nicht losreissen und blieb noch eine Nacht laenger - ich geb zu, dass da auch ein kleines Katerchen eine Rolle spielte... Dann ging es aber los, auf nach Timaru und auf dem Weg noch am Mt. Hutt vorbeigeschaut, wo leider doch noch nicht der erhoffte Schnee lag. Hatte naemlich gehofft, doch zumindest einen Blick auf Neuseelands groesstes Skigebiet zu erhaschen. Timaru entpuppte sich als die unspektakulaere Hafenstadt, als die es beschreiben wurde; Diana, meine Couchsurfing-Hostess, zeigte mir jedoch auch ein paar schoene Ecken, die ich sonst glatt uebersehen haette. Ueberhaupt muss ich an dieser Stelle mal wieder ein Loblied auf Couchsurfen singen - eine grossartige Moeglichkeit, Menschen aus aller Welt kennenzulernen, die man sonst nie treffen wuerde! Diana war eine wahre Weltbuergerin und hat schon in diversen Laendern gelebt, darunter Australien, Aegypten, Frankreich, der Schweiz, den USA und noch ein paar weitere. Dazu war sie gerne bereit ihre Erfahrungen zu teilen und so sassen wir den ganzen Abend plaudernd auf ihrer Couch bei einem Glaeschen Kiwi-Wein (nicht nur aus Neuseeland, sondern sogar aus Kiwi gemacht!).
The Church of the Good Shepherd
Am naechsten Tag fuhr ich weiter zum Lake Tekapo, von dem ich schon geruechteweise gehoert hatte, dass er ziemlich blau ist. Dass er SO blau ist, hatte ich mir dann aber doch nicht traeumen lassen, er sieht wahrhaftig aus, als waere das Wasser ein Stueck fluessiger Himmel! Direkt am See steht eine suesse, winzige Kirche, die Church of the Good Shepherd, die Kirche mit der wahrscheinlich besten Aussicht der Welt. Rot-orange trockene Wiesen erstrecken sich bis zum Horizont und zwischen einigen Huegeln kann man sogar einen Blick auf ein paar schneebedeckte Haenge der Alpen erhaschen.
Im Mackenzie-Hochland
Nachdem ich ach so lange auf den geliebten Pferderuecken verzichten musste, machte ich am Nachmittag einen Ausritt auf einen nahen Huegel, von dem aus man erst die ganze Groesse des Sees sehen konnte. Wie ein riesiges Meer hellblauer Tinte lag er vor uns, dass wir um die Wette seufzten. Ansonsten war der Horse Trek aber nur halb so gut wie "unserer" in Kaikoura - das liegt wahrscheinlich daran, dass sie Laura und mich nicht als Guides haben... Abends schlug ich am Nachbarsee, dem Lake Alexandrina, mein Lager auf und verbrachte die Nacht in meinem Van, in dem es jetzt doch schon erfrischend frostig wird. Eingemummelt in Pullover, Schlafsack und Muetze ist es aber schoen kuschelig und ich trotzte dem herannahenden Herbst in alpiner Hoehe.
Hoch zu Ross am Mount John
Abendstimmung am Lake Alexandrina
Nach einem wundervollen Fruehstueck am naechsten Morgen, an dem die Sonne schien und die Enten schnatterten und gern was von meinem Brot abhaben wollten, fuhr ich weiter zum Mount Cook, dem Koenig der Alpen und dem hoechsten Berg Neuseelands. Er gab sich zuerst ganz schuechtern und versteckte sich hinter ein paar Wolken, als ich am Aussichtspunkt am Lake Pukaki ankam. Dann wurde er aber doch mutiger und enthuellte sich zusehends, bis man eine spektakulaere Sicht auf den blau-blau-blauen Lake Pukaki mit dem Mount Cook im Hintergrund hatte.
Mit "Flight of the Concords", einer Kiwi-Comedy-Band, auf den Ohren dudelte ich am See entlang immer dem Berg entgegen, liess mein Auto im Carpark und wanderte ein Tal entlang, bis zum Hooker Gletscher, der sich langsam den Mt. Cook hinunterschiebt. Auf dem Weg lernte ich Dan kennen, einen Franko-Kanadier, also stapften wir die Strecke zusammen und spornten uns am Ende gegenseitig an, doch ein Bad im mit Eisbergen gespickten Gletschersee zu nehmen. Liessen wir dann aber doch beide bleiben. Nach einer Runde Nudeln mit Tomatensosse (die Chili-Variante) sassen wir dann noch zusammen und genossen die sternenklare Nacht, Dan erwies sich als zukuenftiger Berufsmusiker und zueckte seine Gitarre, was die Lagerfeuerromantik perfekt machte. Bis auf die Sache mit dem Lagerfeuer natuerlich.
Dan und der "Eisschollensee"
Am naechsten Tag erkundeten wir zusammen einen zweiten Gletscher, der groesser, aber auch weniger schoen war und dann machten wir uns beide auf die Socken - bloss um uns erst am naechsten Aussichtspunkt und dann an der naechsten Tankstelle wiederzutreffen. Dann fuhr ich das Waitaki Valley entlang gen Oamaru, guckte mir auf dem Weg noch ein paar Maori Felsmalereien an, die der Erosion nicht so ganz standgehalten haben, und dann eine lustige Steinformation namens Elephant Rocks.
Dann versuchte ich eine Stunde lang das Haus von meinem naechsten Couchsurfing-Host zu finden, er ging nicht ans Handy und seine Wegbeschreibung war positiv gesagt lueckenhaft. Nachdem er endlich ans Handy gegangen war und mir eine vierstellige Hausnummer genannt hatte, gab mein Handy den Geist auf, der Akku war leer. Es lebe das Zeitalter moderner Kommunikation! Nach weiteren 20 Minuten fiel mir der Zahlendreher in Renee's genannter Nummer auf und dann fand ich doch noch ein ziemlich mitgenommen aussehendes Holzhaus, das mit ein bisschen Fantasie dem beschriebenen Backsteinhaus glich. Renee hatte mir gesagt, wo die Schluessel sind und so wartete ich im zugigen Wohnzimmer auf ihn, als es ploetzlich klopfte und eine dreikoepfige Familie hineinspazierte. Sie waren Freunde von Renee und ihnen war auf dem Weg nach Dunedin das Benzin ausgegangen. Vier Stunden spaeter als angekuendigt erschien dann auch Renee - so viel zu meiner Lobeshymne auf Couchsurfing... Er scheint aber ganz nett, sehr entspannt und, aeh, vielleicht etwas unkonventionell - sein Hund ist auf jeden Fall toll und erinnert mich an Raudi in jungen Tagen, seufz.
So genug des Finger-wund-tippens, morgen gehts weiter nach Dunedin und jetzt gibts Abendessen! Freu mich immer ueber Rueckmeldung - bis dahin macht's jut!
1 Kommentar:
Ja Mensch Jule find ich saustark dass Du wieder zurueck zum echten "New Zealand way of travelling" gefunden hast :)
Sry hab mich schon laenger nicht mehr gemeldet, bin jetzt jedenfalls wieder back home und hier im Allgaeu komm ich als Winterfan noch voll auf meine Kosten, Schnee wohin man blickt und jede Menge depressive Leute die dem Fruehling schon sehnsuechtig entgegen blicken und mich komisch anschauen wenn ich uebergluecklich im Flockenwirbel rumspringe hehe.
Jo dein Post liest sich super und ich schreib jetzt extra einen richtig dicken Kommentar um die ganzen ausgebliebenen zu erstetzen. Leute, was ist denn los? Fasst euch ein Herz, schreibt mehr Kommentare! Sie sind die kleinen Lichtblicke im Leben eines jeden einsamen Bloggers! Ich geb Dir jedenfalls vollkommen Recht was Deine Eroeterung ueber Nudeln mit Tomatensosse betrifft, dieses Gericht ist Kult und gleichzeitig ein notwendiges Uebel. Ach ja und in Oamaru war ich auch, war bei mir aber relativ bescheiden. Ja ich guck immer wieder gern auf Deinen Blog und denk zurueck, es war schon eine verdammt geile Zeit in NZ. Geniess den Rest Deiner Reise noch, lass es krachen und pass auf Dich auf! Liebe Gruesse aus dem immer noch verdammt kalten Deutschland von
Felix 8)
P.S.: Was machen die Poi-Kuenste?^^
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