Montag, 2. Februar 2009

Raglan Time


It's Raglan Time. Ein sonnendurchflutetes kleines Staedtchen an der Westkueste, das eher einem Dorf gleicht, gerade mal eine Hauptstrasse mit ein paar kleinen Geschaeften, zwei Surfshops, einem Supermarkt, in dem die halbe Bevoelkerung Raglans arbeitet, drei Eislaeden und genauso viele Fish'n Chips Shops. In den Cafes sitzen braungebrannte Menschen, deren Surferlook viel zu durchgestylt ist, als dass sie gerade wirklich vom Surfen kommen koennten. Aber man kann ja zumindest so tun. Viele Dreads, viele Tattoos, viele Piercings und viel blosse Haut, es ist Sommer und nirgendwo kann man den Sommer so entspannt geniessen wie in Raglan. Ich entwickel erste blonde Straehnchen, ein Zeichen, dass mein momentanes Surferdasein erste Spuren hinterlaesst - und zwar nicht nur aufgeschuerfte Knie. Mein neues Surfbrett und ich haben eine besondere Beziehung und so langsam kommt mir der Gedanke, dass ein Neoprenanzug nicht nur als Schutz vor dem kalten Wasser fungieren kann, sondern auch als Schutz gegen das eigene Brett. Dem fehlen naemlich manchmal noch ein paar Manieren, was dazu fuehrt, dass es in den Wellen tollkuehne Kapriolen vollfuehrt und mich gerne noch innerhalb der ersten Meter gleich wieder abwirft. Ab und zu schubst es mich auch in die Welle, um selber stehen zu bleiben und mir anschliessend hinterruecks in den Ruecken zu fallen. Fies, gemein und hinterhaeltig. Aber wir arbeiten stetig an unserer Beziehung und kommen so langsam auf einen gemeinsamen Nenner. Wenn es nicht im Wasser haengt, dann haengt es im Van, was dieses ohnehin schon coole Auto noch um ein paar Nuancen cooler macht. Morgens eine Runde surfen, dann gemuetlich mit Marc, meinem Host, einen Kaffee trinken gehen, ein bisschen am Strand rumgammeln. Mit Sivan, einem aus der Tauchercrew, den es auch nach Raglan verschlagen hat, eine Runde Schach spielen. Abends mit Greg und Flo, zwei deutschen Travellern, nochmal zum Strand zum Sunset-Surfen, mit Jack Johnson dem Surferkollegen im Ohr durch gruene Huegel zum schwarzsandigen Wainui Beach. Im Dunkeln auf der Holzterrasse mit Blick ueber den Harbour ein Bierchen geniessen und hoechst philosophische Gespraeche fuehren. Stille geniessen. Frieden. Freiheit. Ist das der Sinn des Lebens? Jede Menge Muecken haben ihn gefunden und fallen ueber uns her, mein Antimueckenmittel macht mich mit einem Schlag zu Everybody's Darling. Der Mond schaut auf uns herab, ist er eigentlich zunehmend oder abnehmend? "Letzte Woche war Vollmond" meint Greg, "oder war's doch Neumond?" Zeit spielt keine Rolle, was ist schon eine Woche in Raglan? Eine Menge, wenn ich bedenke, dass ich schon laengst auf der Suedinsel sein wollte. Eine weitere Woche, in der sich das Geld auf meinem Konto dezimiert anstatt sich zu vermehren. Eine neue Batterie fuer das Auto - ich war es leid mir staendig Leute zum Anschieben zu suchen -, das neue Brett. Einen guenstigen Neo hab ich nicht gefunden, aber wer braucht schon einen Anzug, das Wasser ist doch gar nicht soo kalt. Ein weiterer Sonnebrand, verdammt, dagegen waer ein Anzug auch praktisch. Die Wellen sind klein, aber clean. Manchmal auch nicht, dann brechen sie an 25 Stellen gleichzeitig. Wenn dann die Wogen im rechten Winkel zur Kuestenlinie verlaufen, sollte man sich einen anderen Spot zum Surfen suchen. Ich bin gruendlich durchgewaschen, mit Schleudergang inklusive und noch drei Stunden spaeter laeuft mir Salzwasser aus der Nase. Kaputt, muede, aber gluecklich. Von der Fussgaengerbruecke ueber den Harbour springen Jugendliche und landen kreischend im Wasser, das Schild "Jumping prohibited" schmueckt ein nettes Graffitti: "Fuck off". Wen schert's? Dreiviertel der Kunden im Supermarkt laufen barfuss und das Personal scheint den halben Tag zu fruehstuecken. Wie entspannt, denke ich. Das ist Raglan Time.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Während du deinen sommer offensichtlich genießt, genieße ich die 20 cm schnee, die hier zur zeit draußen herrschen. es ist traumhaft weiß und ich habe mit ryan einen schneemann gebaut. man muss halt nach irland gehen (dem land, in dem es angeblich nie schneit), um endich mal wieder richtigen schnee zu erleben.
blonde strähnchen, das kann ich mir gar nicht vorstellen, wie sieht das denn aus?^^
ganz liebe grüße
britta