Oh, es fühlt sich immer noch ganz merkwürdig an: Ich bin zuhause! Neuseeland liegt wieder da, wo es bis auf die letzten 10 Monate immer lag, nämlich am anderen Ende der Welt und auch Hong Kong habe ich hinter mir gelassen. 13 lange Stunden Flug trennten diese riesige, chaotische Stadt von London, wo ich abermals 5 Stunden am Flughafen warten durfte, bevor es endlich nach Hamburg weiterging. Amüsiert stellte ich fest, dass um mich herum immer mehr Deutsch zu hören war, was nach solanger Zeit herrlich komisch in meinen Ohren klang. Meine ersten deutschen Sätze kamen mir dann auch recht stümperhaft vor und klangen sehr nach einem dicken Knoten in der Zunge - und erst Deutsch lesen! Es ist mir noch nie aufgefallen, wie lustig Deutsch geschrieben aussieht, zumal mit diesen seltsamen Tütelchen auf einigen Buchstaben, die ich schon komplett aus meinem Alphabet gestrichen hatte!
"Und, wie war es bei den Känguruhs?", fragt mich der Typ von der Passkontrolle. "Känguruhs?", ich bin verwirrt, wieso denn Känguruhs? Dann fällt der Groschen, ich schüttel den Kopf und erwidere, "nein, ich Neuseeland gibt es keine Känguruhs, die sind in Australien." Auf dem Weg zur Gepäckrückgabe überlege ich betrübt, wie oft ich das wohl noch zu hören kriegen werde. Gähnend stehe ich am Gepäckband und warte darauf, dass mein Rucksack auch endlich eintrudelt, ja, da ist er und dahinter gleich ein zweiter. Der wird von einem blonden Typen eingesammelt, der mit seinem Skydiving-T-shirt aus Queenstown gleich als weiterer Backpacker zu erkennen ist. Er sieht den zweiten Rucksack, guckt hoch, sieht mich mit meinem Bungy-Shirt, ebenfalls aus Queenstown, und wir grinsen uns an. Dann geh ich zum Ausgang, mich fragend, ob es denn jemand aus meiner Familie geschafft hat, mich wie versprochen abzuholen. Eine Sekunde später vernehme ich einen Aufschrei "Jana!" und es stürzen sich sechs (!) Personen und ein Hund auf mich, dazu flattert ein Plakat mit "Willkommen Juliana!" durch die Gegend und Raudi quietscht und bellt und wickelt sich vor Aufregung völlig in seine Leine. Hilfe, wo ist das Mauseloch, denke ich, freu mich dann aber viel zu sehr, um diesem Gedanken nachzugehen, mensch, so ein Empfangskomitee und dazu noch so spät am Abend! Ein herzliches Dankeschön an Bine, Felix und Bettina, meine Eltern und Nikola, die Überraschung ist euch wirklich geglückt!
Kurze Zeit später sitzen wir im Auto und sind auf dem Weg nach Lübeck. Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, es ist alles ein bisschen surreal und so seltsam vertraut, trotzdem kommt es mir neu vor. Die Autobahnschilder sind blau statt grün und statt einer Spur pro Richtung gibt es plötzlich drei bis vier, Papa scheint mir auf der falschen Seite zu sitzen und es ist mir glatt ganz lieb, die Überholvorgänge von der sicheren Rückbank aus zu beobachten. Dann fahren wir durch Lübeck und es scheint mir, als wäre die Zeit hier stehen geblieben, selbst die Löcher in den Straßen fühlen sich noch genauso an wie vor einem Jahr. Bis wir vor der Haustür stehen, kommt es mir schon so vor als wäre meine Reise durch Neuseeland nur ein ziemlich langer und schöner Traum, war ich denn wirklich weg? Nun geben sich doch viele veränderte Details zum besten, das umgebaute Schlafzimmer meiner Eltern nehme ich gleich unter die Lupe und von einem neuen Duschkopf im Bad bis zu Nikolas neuer Brille fallen mir doch immer neue Sachen auf. Als ich meinen Schrank aufmache, kommt es mir vor, als wäre mir gerade eine komplette neue Garderobe geschenkt worden und mein Bett ist himmlisch weich und doch bequemer als jedes Hostelbett oder gar meine Isomatte...
Ja, nun bin ich erst einmal mit ankommen beschäftigt. Lübeck scheint mir klein und grün, die Strassen sind eng und die Häuser dicht. Verwunderlicherweise ist der Temperaturunterschied zwischen Hong Kong und Deutschland gar nicht mal so groß, der dritte Sommer ist da! Fotos sortieren, Studium planen, Freunde besuchen, versuchen meine Finger wieder dazu zu bringen sich an ihre Positionen beim Klavierspielen zu erinnern,... Langweilig wird es mir hier nicht! Ich werde versuchen, diesen Blog noch ein wenig weiterzuführen und euch zu berichten, wie es denn so ist, nach Hause zu kommen, schließlich ist die Heimkehr ja auch ein Teil der Reise. Nun muss ich aber erstmal wieder eine Runde Raudi kraulen, der guckt misstrauisch alle 10 Minuten nach, ob ich denn noch da bin. "Good boy", ertappe ich mich zu sagen, "no worries, I'm back." Ja, ich bin zuhause, denke ich und vergrabe mein Gesicht in seinem Fell.
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