Dienstag, 11. November 2008

Coromandel Dreamin'

Mensch, so schnell kann es gehen! Eben noch grosse Toene gespuckt, dass ich meinen Job im Packhaus schmeisse, weil es ja ach so langweilig und abstumpfend ist - da steh ich schon im naechsten Packhaus und mach den gleichen Job wieder! Bin einen kompletten Tag in Mount Maunganui herumgelatscht und habe meinen Namen und meine Handynummer in gefuehlten dreihundert Cafes, Restaurants und aehnlichem abgegeben, darunter auch Pizza Hut, wobei ich mich nach der dortigen Bewerbung ernsthaft gefragt habe, ob das denn besser als Packhaus ist...
Am Ende des Tages hatte ich immer noch keinen Job und mein Kopf schwirrte von den vielen "Vielleichts" und "Moeglicherweise-im-naechsten-Monat"s. Da klingelte das Telefon und es war der Typ aus dem Packhouse dran, wo ich vor einer Woche schon gefragt hatte, ob sie nicht noch eine helfende Hand brauchen. Ob ich denn morgen anfangen koennte? Na gut, warum nicht, Geld ist Geld, also wieder ran an die Arbeit.

Nach einem Tag, besser gesagt nach den ersten 10 Minuten, war mir eigentlich schon klar, dass das hier etwas entspannter werden wuerde, als im letzten Packhouse. Hier gab es naemlich keine Supervisors, die einem ernsthaft in einem morgendlichen Meeting erklaert haben, wie genau man die Kiwis drehen und druecken soll ("Hold them like this, between thumbs and second fingers, then turn them like this, look at them from all sides, let them fall into your hands, squeeze them twice and then make a fast decision whether they are good or not!"). Man konnte also in aller Ruhe mit der Arbeitskollegin quatschen oder dem dudelnden Radio lauschen. Und uebrigens auch wesentlich frueher nach Hause gehen.

Am Samstag war es mal wieder soweit, dass ein weiterer Geburtstag eines Backpackers vor der Tuer stand. Diesmal war es Luke aus England, das musste naetuerlich wieder kraeftig gefeiert werden. Ich backte mit einer weiteren Backpackerin einen echten Chocolate Mud Cake, der nach einer verzweifelten Rettungsaktion dann auch schlussendlich wirklich was geworden ist. Leute, backt Kuchen in einer ordentlichen Kuchenform und nicht in einer Pfanne - und wenn ihr keine habt, dann lasst es lieber bleiben... Der Abend war lang und feucht-froehlich und wurde Tanzbein-schwingenderweise in Tauranga beendet. Am naechsten Morgen wurden wir von Lukes Mitreisendem darueber aufgeklaert, dass Luke gar nicht Geburtstag hatte, sondern sie das lediglich allen erzaehlt haben, damit wir einen Grund zum Feiern haben. Na wundervoll, hat ja auch funktioniert!

Am Sonntag habe ich mich mit Felix, einem deutschen Backpacker, auf den Weg nach Coromandel gemacht, eine wunderschoene Halbinsel mit einer traumhaften Bucht nach der naechsten. Den Tag ueber verbrachten wir in Karangahake Gorge, einem kleinen Tal, zu dessen beiden Seiten die Berge steil aufsteigen und durch das ein Fluss fuehrt. Wir erkundeten mehrere Tracks und guckten uns Ruinen und alte Stollen von den ehemaligen Goldgraeberstaetten an. In Neuseeland zaehlt uebrigens alles als Ruine, was mehr als 50 Jahre alt ist, oder zumindest ist es dann auf jeden Fall schon ein historisches Denkmal... Die erste Nacht verbrachten wir in Tairua, einem winzigkleinen Ort an der Ostkueste, am Strand, wo wir im Van uns das dickste Dinner seit Wochen kochten - warum wir das nicht im Hostel auf einem ordentlichen Herd gemacht haben, weiss der der Geier, aber es war superlecker und hatte so jawohl auch viel mehr Stil!


Felix beim Kraxeln an einem Fluss in der Karangahake Gorge

Alte Stollen, Ueberbleibsel der Goldminen

Am naechsten Morgen fuhren wir dann zum Hot Water Beach, wo wir eigentlich der Anweisung des Lonely Planet folgen wollten, ich zitiere, "uns einen Spaten schnappen wollten, ein Loch buddeln um unsere Hintern auf kleiner Flamme gar zu kochen". Da wars dann aber leider schon zu spaet und die hereinkommende Flut machten uns einen Strich durch die Rechnung. Also verschoben wir unser Vorhaben auf die Nacht und fuhren erstmal zur Cathedral Cove, eine riesige, sagenhafte Kalksteinhoehle am Strand, zu der man durch mehrere Buchten hinwandern kann. Unterwegs begegneten wir Scharen von Touristen, die alle - komischerweise - die gleiche Idee hatten.


Ich in der Cathedral Cove


In der Stingray Bay


Abends machten wir uns dann mit unserem geliehenen Spaten auf den Weg zum Hot Water Beach und buddelten dort ein Loch. Und tatsaechlich, das Wasser im Boden war wirklich heiss! Und zwar richtig, richtig heiss! Sage und schreibe 64 Grad! Dementsprechend waren wir ganz froh, dass ab und zu mal eine Welle ein bisschen Abkuehlung schaffte. Leider klauten die Wellen dann auch erst unser Windlicht und anschliessend, was fuer eine Gemeinheit, unser Bier. Dafuer beglueckten sie uns ein paar Minuten spaeter mit einer angespuelten und tatsaechlich noch funktionieren Taschenlampe. Was fuer ein Tausch. So standen wir also am Strand und buddelten munter vor uns hin, auf der Suche nach dem perfekten Mix zwischen kaltem und heissem Wasser. Auf einmal waren wir umringt von anderen Touristen, die irgendwie zu erwarten schienen, dass das Loch an dem wir buddelten, fuer sie war und uns froehlich beim Schaufeln zuguckten. Irgendwann zogen sie dann aber wieder ab, vielleicht weil ihre Schaufelei nicht so von Erfolg gekroent war. Das mit dem entspannten Sitzen im warmen Wasser ist naemlich einfacher gesagt als getan, entweder man verbrennt sich tierisch den Hintern oder man sitzt zaehneklappernd in einer Pfuetze. Nach langer Studie der Bodenbeschaffenheit und unzaehligen Versuchen haben wir dann aber doch den perfekten Hot Pool gefunden - man muss einfach ein Loch direkt neben der Stelle graben, wo das heisse Wasser hochkommt und eins direkt bei der Stelle. Dann baut man einen Damm zwischen beiden und kann mit kleinen Kanaelen ganz leicht steuern, wie warm man es denn haben moechte... zumindest bis nach einiger Zeit die Flut wieder kommt.

Felix bei der naechtlichen Buddelaktion

Nach einem wunderschoenen Morgen am Hot Water Beach machten wir uns dann weiter auf den Weg Richtung Whitianga, ein verschlafenes Nest weiter noerdlich, und von da aus auf eine kleine Landzunge mit irre kurvigen Schotterstraesschen, wo sich angeblich die schoensten Straende der gesamten Ostkueste befinden sollten. Das war nicht zuviel versprochen, die Straende sind einfach unglaublich. Incredible. Awesome. Amazing. Incredibly amazing fucking awesome! Wir wanderten am Strand entlang, kraxelten auf einen Berg mit einem Aussichtspunkt und gingen danach noch schwimmen bzw. sind sogar noch in den Genuss von Bodysurfing gekommen. Die Nacht verbringen wir nun in Coromandel in einem relativ ungemuetlichen Holiday Park, wo die Computer mich nicht meine Fotos hochladen lassen... Ich werds ein ander Mal nochmal probieren! Und euch dann natuerlich auch gleich noch erzaehlen, was wir noch so gemacht haben - bis dahin macht's gut!

In der wunderschoenen Opito Bay

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