Freitag, 28. November 2008

Steile Karriere und verkehrte Welt

Es ist doch kaum zu glauben. Das hier soll November sein? Und in 4 Wochen ist Weihnachten? Nicht ernsthaft! Mein Kalender muss spinnen, denn das kann partout nicht sein. Waehrend ihr im kuehlen und frisch verschneiten Deutschland oder anderswo in noerdlichen Gefilden hockt, mausert sich hier der Strand zu jedermanns Lieblingsplatz, kein Wunder, bei 23 Grad Lufttemperatur und strahlendem Sonnenschein. Das Wasser lockt auch schon, gruen schimmernd und von Surfern wimmelnd - hier ist eindeutig der Sommer ausgebrochen! Die Leute schlendern in Flipflops Eis essend durch die Gegend, die obligatorische coole Sonnenbrille im Gesicht, oder sitzen Kaffee schluerfend im Cafe und mustern die Passanten. Die Jackenzeit ist definitiv vorbei, ich weiss gar nicht mal mehr, wo meine ueberhaupt gelandet ist - und inzwischen hat der Pullover auch schon fast ausgedient. Naja, fast, wie gesagt.

Es ist der 28. November und im Radio laeuft Jingle Bells. Starbucks bietet den neuesten Christmas Special Sonstwas Coffee an und ist rot-gruen-amerikanisch-weihnachtlich dekoriert. Die Schaufensterpuppen im Surfshop nebenan tragen neben der neuesten Bikini-Mode auch Weihnachtsmannmuetzen. Wo ist die besinnliche Weihnachtszeit hin? Das stille Zusammensitzen am Adventskranz, Weihnachtskekse futternd? Durchgefroren nach Hause kommen und sich bei einem Gluehwein am Kamin aufwaermen? All das ist einer froehlich-turbulenten Atmosphaere gewichen, bei der sich alle darauf freuen zu scheinen, Weihnachten mit einem Barbecue ausgelassen am Strand zu feiern. Sehr, sehr komisch, aber mal was neues! Und im Endeffekt ist es wahrscheinlich einfach nur Gewoehnungssache, weisse Weihnachten als Ideal stoesst hier hoechstens auf Gelaechter und unglaeubiges Kopfschuetteln... Jup, hier herrscht schon irgendwie verkehrte Welt! Anderes Beispiel: Die Sonne steht mittags im Norden und wandert andersrum - eine Tatsache, die an und fuer sich logisch ist, aber mich doch immer wieder erstaunt.

Ich bin immernoch in Mount Maunganui, nun ja schon seit geraumer Zeit, und ich werd wohl auch auf jeden Fall noch meinen Geburtstag hier verbringen, bevor es weiter auf Entdeckungstour geht. Nachdem ich voellig arbeitsentwoehnt aus Coromandel zurueck war, versuchte ich gleich, meinen Job im Kiwipackhaus zurueck zu ergattern. Meine Rueckkehr dorthin stand naemlich angesichts der Tatsache, dass ich aus 4 Tagen abgesprochenem Urlaub (die Absprache hatte mein Chef allerdings vergessen und geflissentlich ueberhoert) eine Woche gemacht habe (Schuld war natuerlich meine kaputte Automatik der manuellen Gangschaltung, raeusper) plus dem Fakt, dass die Saison zum Kiwipacken sich sehr dem Ende neigt, in Frage. Wie zu erwarten meinte mein Chef dann auch, er haette keinen Job mehr, verprach aber, mich anzurufen, falls sich doch noch was ergaebe. Das tat er dann auch ca. eine Viertelstunde spaeter, gerade als ich wieder zurueck im Hostel war, ja, er haette doch was, ob ich nicht gleich zurueckkommen koennte? Gesagt, getan, also wieder ran ans Kiwipacken. Gleich am naechsten Tag wurde ich dann "ausgeliehen" an die Firma gegenueber, denen es temporaer an helfenden Haenden mangelte. Die Firma handelt mit Fotoalben und ich durfte Preisaufkleber kleben. Juchuu! Auch den Rest der Woche war ich dort damit beschaeftigt, Kartons umzustapeln, nach Nummern zu sortieren, Kisten zu oeffnen, Fotoalben zu bekleben, Kisten wieder zu schliessen und nicht zuletzt Container auszuladen. Container, so gross wie gefuehlt ein ganzes Haus oder zumindest die groessten Container, die ich bis dato gesehen hatte. Uff! Am Ende der Woche warb mich die Firma dann ab und lockte mit einem Stundenlohn von stolzen 16 Dollar - fuer arme Backpacker sind das paradiesische Verhaeltnisse! Also packe ich jetzt Fotoalben statt Kiwis, mit den erhofften entspannteren Arbeitszeiten wurde es dann allerdings doch nichts, die letzten beiden Tage waren dank einiger dringender Bestellungen mit ihren ueber 12 Stunden Arbeit doch recht lang, gaehn.

So, das war der erste Teil der Karriere. Der zweite ist der Umzug in die eigene Wohnung oder vielmehr in eine WG mit Liz, der Niederlaenderin, mit der ich schon laenger unterwegs bin, Kathi, einer deutschen Backpackerin und Freundin von Liz, und Niki, einer froehlichen und leicht hyperaktiven Englaenderin. Daneben wohnen dann immernoch teilweise bis zu 10 andere Leute bei uns im Wohnzimmer, teilweise ohne Matratzen oder Schlafsack auf dem blossen Boden campierend. Das Hostel wurde auf Dauer doch zu teuer, zudem aenderte sich die froehlich-entspannte Feierlaune zum Negativen als dank einiger Beschwerden wegen Laerms nicht nur viele neue, strenge Regeln aufgestellt wurden, sondern auch die hier arbeitenden Backpacker gefeuert wurden. Nun ziehen also alle aus und das Hostelleben wird anderswo abgehalten ;-)
So, das ist im Groben und Ganzen die letzten Tage und Wochen passiert - wenn's was Neues gibt, wird das natuerlich sofort berichtet! Macht's gut!

PS: Die Kommentarfunktion existiert immernoch und wartet auf fleissige Benutzer ;-)

6 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hey du, ich merk schon, das wird fein, du kommst 2009 knusprig gebrannt und sommersprießend in Gefilde wieder, wo sich die Menschen erstmal wieder an die Sonne gewöhnen müssen. Aber wahrscheinlich bringst du genug davon mit ;-) Ich hoffe indes, dass meine Mail auf dem Weg zu dir nicht verloren gegangen ist- solls ja geben... Vorgestern wurden in Gießen die ersten Schneemänner gebaut, nur mal so *gg*
lg
der Felix

Anonym hat gesagt…

hejhej liebste jule - während du dir die sonne auf den bauch scheinen lässt, habe mich mir gestern erstmal einen wunderbar warmen wintermantel gekauft, der, den ich aus deutschland mirgebracht habe, reicht fuer schweden leider nicht aus ... wobei es mittlerweile wieder ein bisschen wärmer geworden ist - der schnee, der bestimmt um die 30 bis 40 cm hoch war ist geschmolzen ... das resultat kannst du dir sicher vorstellen, nicht so angenehm ...
ich lese immer vergnuegt und amusiert deine tollen berichte, hab einen schönen ersten advent (im bikini ;-)?), deine Romina
*saknar dig

Anonym hat gesagt…

tadaaa, ich hab heut auch den ersten schneemann gesehen! bei starbucks steht jetzt einer im schaufenster - aus kuenstlichem schnee allerdings. diese mischung aus winterlichem und sommerlichem weihnachten macht mich noch voellig kirre... :-D
trotzdem, das mit dem 1. advent im bikini ist eine gute idee, ich mach mich gleich mal auf den weg zum strand ;-)
ganz, ganz viele liebe gruesse an euch alle und einen wunderschoenen 1. advent!!

Anonym hat gesagt…

hey jule, da hast du mir schon was voraus, hier gibt es leider noch keine schneemaenner, und ich fuerchte die werden wohl auch nicht kommen. irland ist vom schnee nicht so verwoehnt. aber vielleicht habe ich ja in luebeck glueck einen zu erspaehen. oh mann,ich hatte total vergessen, dass heute der 1. advent ist, bis ich deinen kommentar gelesen habe. die weihnachtsstimmung ist bei mir noch nicht so ganz angekommen.
ich hoffe du hattest einen schoenen tag am strand^^
lg
britta

Anonym hat gesagt…

hihi, ja der strandtag war toll, auch wenn ich recht frueh vor der nicht zu unterschaetzenden sonneneinstrahlung geflohen bin... man muss sich ja nicht jedes wochenende einen sonnenbrand holen ;-) ich glaube uebrigens advent kennt man hier gar nicht...

Anonym hat gesagt…

Hallo Juliana,

Regine und ich schließen sich den zahlreichen Geburtstagsglückwünschen an!

Hier ist die Welt übrigens noch in Ordnung: 3°C, leicht feucht, lange dunkel, keine Sonnenbrandgefahr, unglaubliche Vielfalt an Weihnachtsketten, -lichtern und -leuchten. Aber noch wenig an Dachrinnen und Balkon aufgeängte Weihnachtsmänner dieses Jahr.

Viele Grüße und alles Gute!

Michael