... rollen jeden Tag ueber das Fliessband und jede einzelne wird von meiner Wenigkeit hochgenommen, hin und her gedreht und gewendet, zaertlich gedrueckt und dann in ihre angestammte Box verfrachtet. Dann kommen die naechsten hundertzwanzigtausend Kiwis an die Reihe. Die Wahrscheinlichkeit ist also recht gross, dass ihr beim naechsten Einkaufsbummel eine original von mir verpackte Kiwi in den Haenden haltet!
11 Stunden pro Tag geht das so, 6 Tage die Woche, Schichtarbeit am Fliessband, na wundervoll. Noch besser als Kiwidrehen ist allerdings, einfach nur die Boxen zumachen zu muessen. Das geht inzwischen schon mit vier Handgriffen: obere Folie ueber die Kiwis schlagen, untere Folie ueber die Kiwis schlagen, oberen Deckel, unteren Deckel, fertig. Dann muss die Kiwikiste mit ihren 30 Kiwis nur noch mit geuebtem Schwung ans andere Ende des Fliessbandes befoerdert werden, wo sie dann vom naechsten eingesammelt wird.
Tja, was lernt man so in einem Kiwifruit Packhouse? Dass es tatsaechlich Menschen gibt, die sowas ueber laengere Zeit machen. Teilweise vier Jahre lang oder gar noch laenger, wie der Typ, dem ich die ersten Tage als Boxenschliesser assistieren musste und der es immernoch, auch nach vier Jahren Uebung, geschafft hat, die Kiwis so in die Box zu legen, dass man jede einzelne nochmal um 90 Grad drehen musste umd die Box zuzubekommen. Dass Kiwi nicht gleich Kiwi ist und dass manche Kiwis wahre Softies sind. Dass die Softies in Neuseeland verbleiben und an die einheimische Bevoelkerung verscherbelt werden, waehrend die guten Kiwis in die ganze Welt exportiert werden. Dass die Unterscheidung zwischen guten und schlechten Kiwis Ermessenssache ist und sich mit jedem Supervisor aendert. Dass elf Stunden sich unglaublich in die Laenge ziehen koennen. Dass man fuer Fliessbandarbeit wahrhaftig kein Gehirn braucht.
Wie bin ich eigentlich hierher gekommen? Nach dem Besuch des wunderschoenen Staedtchens mit den faulenden Eiern mit den faulenden Eiern fuhr ich weiter an die Ostkueste, nach Te Puke, dann weiter nach Mount Maunganui, wo ich Liz in einem wundervollen, netten, kleinen Backpacker wiedertraf. Gleich das erste Wochenende sorgte dafuer, dass ich den Aufenthalt in "The Mount" nicht so schnell vergessen sollte, schliesslich hatten gleich drei der anderen Traveler Geburtstag, was Anlass fuer eine dicke, fette "Bad-Taste-Party" gab. Dank der multikulturellen Besetzung wurden verschiedene Geburtstagsbraeuche in die Tat umgesetzt, unter anderem der irische Brauch, dass das Geburstagskind zum 21. Geburtstag 21 Kuesse kriegt. Nun ja, irgendwann hoerte das Zaehlen auf...
Nach ein paar Tagen in Mount Maunganui - dem lebhaften Badeort am Fusse des Mount Maunganui - und einer ergebnislosen Suche meinerseits nach Kiwipackhaeusern dort, die noch Arbeiter brauchen, las ich im Internet von einem Packhaus in Tauranga, der Nachbarstadt, das noch helfende Haende brauchte. So landete ich in Tauranga in einem voellig ueberfuellten Hostel, das fest in deutscher Hand war, was mich die erste Zeit ziemlich nervte. Wozu eigentlich ans andere Ende der Welt reisen, wenn man dort nur die eigenen Landsleute trifft?! Inzwischen habe ich mich aber mit meinem Schicksal abgefunden, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass ich nach gerade mal anderthalb Wochen hier im Packhaus das Handtuch werfe, bevor ich keine Kiwis mehr sehen kann und zurueck nach Mount Maunganui fahren werde. Dort muss sich doch irgendwie ein Cafe-Job fuer mich finden... zumindest komme ich da wieder in den Genuss, Englisch zu sprechen und zu hoeren!
Als Vorgeschmack und um die Zeit hier zu verkuerzen, bin ich schon an meinem freuen Wochenende wieder nach "The Mount" gefahren, schliesslich war Halloween und das musste doch gefeiert werden! Kaum angekommen stuerzten sich fuenf Santa Clauses auf mich und ich hab ernsthaft ueberlegt, ob ich mich nicht im Datum geirrt habe. Nein, die Kostueme waren lediglich im Sonderangebot und so zogen die fuenf Santas anschliessend durch die Stadt, um teils verwirrten, groesstenteils belustigten Passanten frohe Weihnachten zu wuenschen und sie nach ihren Wuenschen vom Christkind zu fragen. Anschliessend hoehlten wir Kiwis aus und feierten froehlich bis in die Nacht hinein. Und am naechsten Tag - weils so schoen war - wurde gleich weiter gefeiert, zwei Geburtstage und drei Abschiede, von denen gibts in Hostels ja genuegend. Also hoechste Zeit aus dem Ueberwachungshostel in Tauranga (Ja, man wird mit Kameras beim Geschirrspuelen beobachtet und muss $15 bezahlen, wenn man es vergisst) abzuhauen und wieder am Fusse des Berges in den Tag hineinzuleben!
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