Es gibt wenig ekligeres als morgens barfuss in ein frisches Kaugummi zu treten, damit 2 Stunden unbemerkt herumzulaufen und hinterher zu analysieren, wo man ueberall gewesen ist.
So geschehen am Lake Taupo. Nun wollte ich euch damit beeindrucken, auf den Schicksalsberg aus dem "Herrn der Ringe" gekraxelt zu sein, der steht naemlich ganz in der Naehe im Tongariro National Park, doch daraus wurde nichts. Kaum war ich im Ausgangsort fuer die Wanderung zog der Nebel hoch, dass man nicht mal die Hand vor Augen sehen konnte, geschweige denn auch nur eine Spur vom Berg. So stiefelte ich muerrisch zum Visitors Information Center um die Lage auszukundschaften, wo mich die hilfsbereite Dame an der Rezeption freundlich darauf aufmerksam machte, dass da oben noch Schnee liegt und das Wetter die naechste Woche nicht besser sondern eher schlechter werden wird. In dem Moment fing es dann auch noch an zu regnen. Sie schaute einmal pruefend an mir herab, um mir dann mitzuteilen: "You don't really want to be up there now, trust me."
In seinem eigenen Van ist man selbst mit 80 km/h noch cooler als alle anderen, die mit 120 an einem vorbeisausen.
Dann eben ein ander Mal. Fuhr ich eben erst nach Rotorua, eine suesse Stadt mit 75.000 Einwohnern, die weiter nordoestlich liegt. Man stelle sich einen Kurort vor, wie er im Bilderbuch steht: Palmen saeumen die Strassen, das Zentrum grenzt an einen blau schimmernden See, ein Spa reiht sich an den naechsten, ebenso wie die Hotels. Die Fusswege sind mit diesen hellen terrakottafarbenen Steinen gepflastert, die man nur in Kurorten und Seebaedern findet und die die gefuehlte Temperatur gleich um 5 Grad ansteigen lassen. An jeder Ecke gruent und blueht der Fruehling, Touristen schlendern zu hauf durch die Parks und durchs Zentrum.
Alles klar? Das ist Rotorua.
Wenn da nicht diese winzige Tatsache waere, dass ueber dieser ganzen Szenerie ein unueberriechbarer Schwefelgestank haengt. Wirklich ueberall. Im Park dampft der Teich und die Straeucher drum herum sind vom Schwefel oder irgendwelchen Mineralien rostrot gefaerbt. Und gelb. Oder total verdorrt. Beim Schlendern durch die Stadt blubbert es ploetzlich neben einem im Blumenbeet. Und es raucht aus den Gullydeckeln. Und es stinkt ziemlich penetrant nach faulen Eiern, hatte ich das schon erwaehnt?
Nachdem ich zwei Tage damit verbracht habe, wie ein waschechter Tourist mit Kamera und Reisefuehrer die ganzen Sehenswuerdigkeiten abzuklappern und tausende von Fotos von dampfenden Erdloechern zu schiessen, ja mich sogar dazu herabgelassen habe, eine Maori-Touri-Show in einem nachgebauten Maoridorf anzugucken, bin ich gefluechtet. So viel Schwefel haelt kein Mensch lange aus.
Wenn der einzige Radiosender keinen Empfang mehr hat, sitzt man wirklich mitten in der Pampa - also in Neuseeland 80% der Reisezeit.
Also auch auf 80% der Strecke von Rotorua nach Te Puke an der Ostkueste. In Anbetracht der Tatsache, dass der Akku meines Ipods alle war, war das wirklich nicht schoen. Da merkt man mal wieder wie duenn Neuseeland eigentlich besiedelt ist. 4 Millionen Einwohner sind nicht wirklich viel, das ist Berlin auf ein ganzes Land verteilt.
One kiwi fruit a day keeps the doctor away.
In Te Puke spielte ich abermals die brave Touristin, setzte Sonnenbrille auf, haengte mir die Kamera um und setzte mich in ein kleines Waegelchen in Kiwiform, um zusammen mit anderen Touristen, die interessanterweise nicht aus Japan, sondern ueberwiegend auch aus Deutschland waren, kreuz und quer durch ein Kiwianbaugebiet gekarrt zu werden. Neuseelaender machen aus dem Anbau dieser haarigen Frucht eine Wissenschaft fuer sich und sind unglaublich stolz, mit der Bay of Plenty das beste Gebiet der Welt dafuer gefunden zu haben. Ich lernte eine ganze Menge ueber Kiwis im Allgemeinen und im Speziellen, z.B. dass es noch weitere Sorten ausser der populaeren gruenen Kiwi gibt, naemlich noch die Golden Kiwifruit, die eher gelb in der Mitte ist und weintraubengrosse Kiwis, die man buchstaeblich mit Haut und Haar essen kann. Und noch viele mehr, aber das sind die bekanntesten drei. Dazu ist es die gesuendeste Frucht der Welt, mit den meisten Vitaminen und so. Also siehe oben, immer brav Kiwi essen!
Zusammen ist man weniger allein.
Stimmt schon irgendwie. Und so spannend es auch ist, temporaer allein durch die Weltgeschichte zu gondeln und mal ganz auf sich allein gestellt Freiheit und Eigenverantwortung kosten zu koennen - nach einer Weile ist es doch ganz nett wieder unter Leute zu kommen. Also hab ich mich mit Liz, der Niederlaenderin, die ich ueberall in Neuseeland staendig wieder treffe, obwohl wir uns nie verabreden, in Mount Maunganui verabredet, eine kleine aber sehr lebendige Stadt, die sich gerade noch in die Luecke zwischen Tauranga und den Berg Mount Maunganui quetscht. So, da bin ich nun also und geniesse die Atmosphaere im froehlichen Backpacker, die mit der gestrigen Bad-Taste-Geburtstagsparty gekroent wurde. Ab Dienstag werde ich in Tauranga Kiwis verpacken, nicht besonders aufregend, aber bringt Geld in die Reisekasse - und danach? Mal sehen! Plaene sind fuer Anfaenger!
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1 Kommentar:
Hey du, habs den ganzen Oktober verpeilt, mal hier querzulesen. Habs nun nachgeholt. Glückwunsch, das alles klingt ja, als ob du nicht extra darauf hingewiesen werden müsstest, dass du es echt gut da hast ;-) Aber manchmal machen Kontraste eine Situation noch griffiger. Zzt spielen Begriffe wie Herbstwetter, defekte Heizung, konsonantische Deklination, Griechisch-Vokabeln und Referatsabgabetermine bei mir die große Rolle *gg* Ich will mich nicht beklagen, aber so einen Nachmittag am Strand könnt ich auch mal ganz gut gebrauchen. Schick mir doch einfach mal ein paar Stunden Sonnenschein per Post oder so. glG
der Felix
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