Ich fand ein einsames Fleckchen direkt am Wasser, um mich toste der Wind, vor mir die aufgewuehlte See, hinter mir die Huegelkette, die sich durch Mahia schlaengelt, von trockenem Gras bewachsen und von diversen Wollknaeueln bevoelkert. Ansonsten nichts, keine Menschenseele, keine Spur menschlichen Daseins. So hatte ich mir das East Cape aus Erzaehlungen vorgestellt! Ich erlebte einen wunderschoenen Sonnenuntergang, der alles um mich herum rot faerbte, und fluechtete schliesslich vor dem kalten Wind in meinen warmen Schlafsack.
Am naechsten Tag fuhr ich weiter nach Gisborne, der groessten Stadt am East Cape, die verzweifelt versucht, besonders "hip" zu sein, auf halbem Wege aber irgendwie gescheitert ist. Ich schlenderte ein bisschen durch die Gegend und guckte mir das James Cook Memorial an, der scheint hier wirklich Nationalheld zu sein!
Anschliessend ging es weiter in die Tolaga Bay, vorbei an dem Ort, an dem der Film Whale Rider gedreht wurde (unbedingt angucken!). In der Tolaga Bay empfing mich dann Neuseelands laengster Steg, eine alte Stahl-Beton-Konstruktion, deren beste Tage auch schon laengst vorbei sind und die so langsam aber sicher den stetig rollenden Wellen zum Opfer faellt. Noch kann man aber gemuetlich drueberschlendern - ohne Gefahr zu laufen, einzubrechen und selbst in den Wellen zu versinken.
Eine Bucht weiter landete uebrigens James Cook, als er Neuseeland entdeckte, also schnuerte ich meine Wanderstiefel und kaempfte mich durch eine ganze Herde Rinder, die meinten, ihre Kaelber unbedingt vor mir verteidigen zu muessen. Nachdem ich meine persoenliche Stierkampfarena hinter mir gelassen hatte, konnte ich dann Cook's Cove bestaunen, ein, ja wirklich, Loch im Fels und die kleine suesse Bucht, in der Cook dann gelandet ist. Ihm zu Ehren liegt auf dem Huegel noch ein Stein, das James Cook Memorial, dessen Inschrift genau darueber Buch fuehrt, wer wann Holz und Wasser gesammelt hat...
Am naechsten Morgen fuhr ich ein paar Buchten weiter und entspannte erstmal eine Runde am Strand, das Wetter war naemlich herrlich und liess das angeblich doch so rauhe und wilde East Cape mich eher an den Mittelmeerraum erinnern, bloss dass dort das Wasser nicht so karibikgruen schimmert. Nach einer Runde Sonnen, Baden und Lesen fluechtete ich dann aber, bevor ich vollkommen paniert wurde. Die Mischung aus Sonnencreme, Wind und Sand hat es naemlich in sich! Durch ein paar winzige Doerfer fahrend, die allesamt eins kleiner als das andere waren, erreichte ich schliesslich Te Araroa, das immerhin mit einem Eisladen aufwarten konnte und ansonsten wohl hauptsaechlich aus einsamen Reitern besteht, zumindest scheint hier jeder ein Pferd zu haben! Nur auf dem Spielplatz sind sie nicht erwuenscht, ein Schild wies ausdruecklich darauf hin. Von dort aus quaelte ich mich ueber eine 20km lange Schotterpiste zum eigentlichen East Cape und von dort aus dann nochmal 25 min zu Fuss zu dem Leuchtturm, der das oestliche Ende Neuseelands markiert.
Anschliessend gings dann noch in die naechste Bucht, Hicks Bay - nach welchem Schluckspecht die wohl benannt wurde? Dort machte ich erst Bekanntschaft mit einem sehr suessen Border Collie, der mir einen Schuh klaute - und desnaechstens dann mit drei dicken Maoris, die an meinen Van klopften. Da rutschte mir das Herz nicht nur in die Hose, sondern gleich bis in die Socken! Ich stellte mich erstmal schlafend, aber das Geklopfe war doch recht penetrant und bei der Musik und der lauten Unterhaltung, die vom Rest der Gruppe herueberschallte, war es eh unwahrscheinlich, dass hier einer seelenruhig im Auto schlaeft. Also Herz gefasst, Tuer auf und gefragt, was es denn gaebe? Jaaa, das ginge ja wohl gar nicht, dass ich hier mutterseelenallein im Auto hocke! Ob denn alles in Ordnung waer? Ja? Dann muesste ich jetzt sofort mitkommen und mit ihnen ein Bier trinken! Als sie dann noch rausfanden, dass ich aus Deutschland bin, waren sie voellig vom Hocker, denn Tante Susannah (1. Grades, 2., 3.?) kommt ja auch aus Deutschland und ueberhaupt waers ja cool, so einfach durch ein Land zu touren! Puh, Schwein gehabt, die spontane Strandparty unterm Sternenhimmel war echt nett!
Am naechsten Morgen gings frueh weiter die Kueste entlang, durch viele kleine und groessere schoene Buchten - ja, sogar durch Hawai! In Opotiki entdeckte ich eine moderne neuseelaendische Interpretation eines Weihnachtsbaums und in Ohape fand ich schliesslich einen Stellplatz in Strandnaehe fuer die Nacht. Kurze Zeit spaeter trudelten dann noch zwei Suedtiroler ein, die mich dann im Tausch gegen etwas Bier auf superleckere Pasta einluden.
Jop, so siehts aus, nun bin ich mehr oder weniger auf dem Weg nach Auckland, um meine Familie einzusammeln - die naechsten drei Wochen im Wohnmobil werden der pure Luxus! Allein der Gedanke an eine eingebaute Kuechenzeile laesst mich ins Schwaermen geraten! Ich werd euch weiter auf dem Laufenden halten, wo ich mich rumtreibe, bis dahin machts gut und viele liebe Gruesse!
PS: Ich freu mich ueber Kommentare - auch wenn ich nicht jedes Mal darauf hinweise :-P
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